Die Soko Hypo ist in Klagenfurt eingeritten, ein Staatsanwalt ermittelt, Untersuchungsausschüsse in Kärnten und Bayern tagen parallel. Doch die Zweifel am Aufklärungswillen des Debakels wachsen dennoch.

Da wäre einmal die Weigerung der Justizministerin, eine andere Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen zu betrauen - oder das Personal für das Verfahren aufzustocken. Auch wenn es keine Anzeichen für mangelnde Kompetenz oder Befangenheit der Anklagebehörde gibt - angesichts der vielschichtigen Netzwerke in der Causa wäre jeder Schritt zur Stärkung der Ermittler angebracht. Die jüngsten Erfahrungen über den Umgang der Justiz mit Kärntner Platzhirschen sind ja nicht gerade verheißungsvoll.

Auch der Neo-Eigentümer Bund hat Handlungsbedarf. So ist der Aufsichtsratsvorsitzende in der staatlichen Banken-Holding Fimbag, Veit Sorger, nicht mehr tragbar. Der Industrie-Chef hat zwar als Ex-Investor bei der Hypo nichts verbrochen, der Präsident des Kontrollgremiums einer staatlichen Auffanggesellschaft sollte aber nicht einmal in die Nähe einer schiefen Optik geraten - noch dazu, als die Industriellenvereinigung für Unterstützung politischer Gruppierungen bestens bekannt ist. Und da wäre noch der Finanzminister selbst. Er befindet die Gründstückstransaktion mit Sorgers Co-Investor Koch gleich einmal für "in Ordnung". Ein echter Fehlstart bei der Hypo-Aufklärung. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.01.2010)