London - Nach heftiger Kritik ist ein umstrittener Protestmarsch von Islamisten gegen den Krieg in Afghanistan in einer Kleinstadt im Südwesten Englands abgesagt worden. Wie die radikale Organisation "Islam4UK" (Islam für das Vereinigte Königreich) am Sonntag mitteilte, will sie nicht wie geplant in Wootton Bassett demonstrieren. Der Chef der Gruppe, Anjem Choudary, erklärte zur Begründung, die Organisation habe auch ohne den geplanten Demonstrationszug erfolgreich auf "die Not von Muslimen in Afghanistan" aufmerksam gemacht.

Die Islamisten hatten einen Marsch durch Wootton Bassett zum Gedenken an die Muslime, die "im Namen von Demokratie und Freiheit umgebracht wurden" geplant und damit einen Sturm der Entrüstung bei der britischen Regierung und auch bei Muslimenverbänden ausgelöst. Die Regierung hatte auch erwogen, die Organisation, die extremistische Verbindungen haben soll, zu verbieten.

Wootton Bassett

Durch die Straßen von Wootton Bassett werden regelmäßig die Särge von gefallenen britischen Soldaten aus Afghanistan oder dem Irak gefahren, die über den nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt Lyneham in die Heimat überführt werden. In der Kleinstadt säumen stets Hunderte Menschen die Straßen, um ihnen das letzte Geleit zu geben. Der britische Premierminister Gordon Brown hatte "entsetzt" auf den geplanten Islamisten-Aufmarsch reagiert. (APA)