Foto: SØLVE SUNDSBØ
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Vergangene Woche überschlugen sich an dieser Stelle die Reaktionen. Dazu vier Anmerkungen:

1. Der Vergleich von beleibten Frauenkörpern mit Fleisch- und Wurstwaren war unfein und möglicherweise unpassend. Die Ausdrucksweise ist weder für die Damen in den Kunstwerken von Rubens angebracht noch für Super-Size-Models in Leoparden-Bodys.

2. Grundsätzlich ist nichts gegen mollige Models einzuwenden: Sie sind eine echte Abwechslung in einer Branche, die das Schlankheitsideal genauso unbarmherzig durchexerziert wie Karl Lagerfeld seine Cola-Diät. Die neue Ausgabe des V Magazin halte ich aber für zynisch: Das amerikanische Modeheft setzt seit Jahr und Tag auf Models, die mit ihren Hüftknochen Ping-Pong spielen könnten. Jetzt führt man in einer Art Zirkusnummer dicke Damen vor.

3. Ja, auch Dicke können schön sein. Seit der griechischen Antike besteht das allgemeine Schönheitsideal aber - ob man will oder nicht - in einer schlanken "Kontur". Diese strahlt Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Erfolg aus. Ich gebe zu: Das ist politisch ziemlich unkorrekt. Veränderungen sind aber keine in Sicht. Nur in Kulturen, sagen Kulturwissenschaftler, die periodisch der Gefahr von Nahrungsknappheit ausgesetzt sind, wird das Schlankheitsideal zugunsten des Anlegens von Fettreserven ausgehebelt. Deswegen auf eine Hungersnot zu hoffen, wäre etwas übertrieben.

4. Auch Magermodels sind Menschen. Bedenkt man mollige Mädchen mit unschönen Worten, geht ein Aufschrei durch die Reihen. Nennt man dürre Models "Hungerhaken" oder "Bohnenstangen" ist kein Pieps zu hören. Das, werte Kritiker, ist nicht OK. Warum darf man untergewichtige Menschen beschimpfen, nicht aber übergewichtige? Ich werde jedenfalls versuchen, in Zukunft zu beiden Gruppen nett zu sein. Wenn sie es verdienen.
(hil/derStandard.at, 11.01.2010)