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Die "North American International Autoshow" (bis 24. Jänner) in Detroit ist traditionell eines der wichtigsten Branchenbarometer für die Automobilindustrie. Die Messe hat in den vergangenen Jahren aufgrund des Niedergangs der US-Autoindustrie allerdings an Bedeutung verloren. Das vergangene Jahr war insgesamt geprägt von Absatzeinbrüchen in wichtigen Absatzmärkten weltweit.

Im Bild: Mike Duncan bringt einen Chevrolet Camaro RS auf Hochglanz.

 

Foto: EPA/Martin

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In der Geburtsstadt der amerikanischen Autoproduktion präsentiert die Branche rund 50 Neuheiten. Der Trend geht wie in den Vorjahren zu kleinen, sparsamen und umweltfreundlichen Fahrzeugen, im Fokus stehen wie auf anderen Automessen zuvor Elektro- und Hybridautos.

Im Bild: Nissan-CEO Carlos Ghosn mit dem Elektro-Auto-'Leaf'. Nissan selbst bleibt Detroit allerdings fern.

Foto: AP/Inouye

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Allerdings sind nach wie vor auch viele große und schwere Spritschlucker zu sehen. Neben den großen drei US-Autoproduzenten General Motors, Ford und Chrysler, die alle ihre Zentrale in der Region haben, belegen vor allem die asiatischen Autobauer und die deutschen Hersteller die Cobo Hall von Detroit. Porsche allerdings ist heuer wieder nicht vertreten.

Im Bild: Chevrolet Camaro RS glänzt schon rundherum.

Foto: EPA/Martin

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General Motors, Ford und Chrysler - die einstigen "Großen Drei" der US-Autoindustrie - sind zwar nur noch ein Schatten ihrer selbst. Aber immerhin: Alle drei einstigen Pleitekandidaten leben noch. Zu verdanken haben sie ihre Rettung mehr oder weniger dem amerikanischen Steuerzahler. In Detroit stehen die Dinosaurier in der Pflicht, überzeugende Konzepte für die Zukunft zu präsentieren.

Im Bild: Ausstellungsaktuere inspizieren den Buick LaCrosse.

Foto: EPA/Martin

Die US-Regierung hatte General Motors (GM) und Chrysler im Frühsommer in beispiellosen Eilverfahren durch die Insolvenz gepeitscht. Werke wurden geschlossen, Marken eingestampft, Ausgaben für Gesundheit und Rente gekappt. Doch nicht nur die Mitarbeiter mussten Opfer bringen, auch die Gläubiger schauten weitgehend durch die Finger. Die USA und Kanada finanzierten schließlich den Neuanfang mit mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd Euro) und wurden dadurch zum Mehrheitseigner wider Willen.

Im Bild: Die dritte Generation der Ford Focus-Baureihe feiert in Detroit Weltpremiere.

Foto: Ford

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Bei Ford kam der Steuerzahler geradezu billig davon. Die Nummer zwei der US-Autoindustrie profitierte zwar auch wie die Konkurrenz von der amerikanischen Verschrottungsprämie "Cash for Clunkers". Eine Insolvenz blieb dem Unternehmen aber erspart. Ford-Chef Alan Mulally (im Bild) hatte viel früher als seine Gegenüber bei der Konkurrenz die verfahrene Situation erkannt und gegengesteuert: Er strich Tausende Stellen, senkte die Sozialkosten und trennte sich noch in besseren Zeiten von den britischen Tochtermarken Jaguar und Land Rover.

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Und selbst in der Krise bewies Mulally einen kühlen Kopf: Anders als bei GM, wo ein monatelanges Gezerre um die Tochter Opel am Ende eine Menge Enttäuschung hinterließ, verkaufte er die schwedische Edelmarke Volvo fast lautlos nach China. Während GM und Chrysler trotz massiver Staatshilfe immer noch rote Zahlen schreiben, erzielte Ford im zuletzt berichteten dritten Quartal schon wieder fast eine Milliarde Dollar Gewinn.

Im Bild: Chevrolet Aveo RS.

Foto: GM

General Motors ist dagegen immer noch mit sich selbst beschäftigt. Der einstige Weltmarktführer hat die massivste Schrumpfkur der "Big Three" zu verkraften: Von den sieben US-Marken werden mit Saturn und Pontiac zwei komplett eingestellt; Hummer geht an einen chinesischen Spezialmaschinen-Hersteller. Auch der schwedischen Tochter Saab droht das Aus. Ein Teil der Konstruktionspläne und Werkzeuge sind schon ins Reich der Mitte gegangen.

Im Bild: Das Innenleben des Chevrolet Aveo RS.

Foto: General Motors

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Chrysler, der kleinste der drei Großen flüchtete sich direkt aus der Insolvenz in die Arme des Fiat-Chefs Sergio Marchionne (im Bild rechts), der seine Hände auch schon nach Opel ausgestreckt hatte. Zwar halten die Italiener nur 20 Prozent an der einstigen Daimler- Tochter Chrysler. Der Rest gehört indirekt der Gewerkschaft und der US-Regierung. Doch mittelfristig kann Fiat die Mehrheit übernehmen und sich damit ein starkes Standbein auf dem nordamerikanischen Markt schaffen.

Foto: AP/Osorio

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Fiat- Boss Marchionne solls nun richten. Dabei schlägt Marchionne auf der Produktseite den gleichen Weg ein wie seine Kollegen Mulally bei Ford und Edward Whitacre bei General Motors: Die Modellpalette wird radikal zusammengestrichen. Statt großer Spritschlucker sollen künftig vermehrt Kleinwagen von den Fließbändern rollen. Auf dem Gebiet ist Fiat unbestritten eine Koryphäe.

Im Bild: Der neue Fiat 500 C

Foto: Reuters/Omar

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Ihr Geld verdienen die großen US-Hersteller nicht zuletzt mangels Alternativen aber vor allem noch mit den voluminösen Modellen der Vor-Krisen-Zeit. Beliebt sind insbesondere die Pick-ups der F-Serie von Ford. Bei den Kleinwagen punkten die asiatischen Wettbewerber. Das zeigt die Bilanz des Verkäufe im Gesamtjahr: General Motors brachte 30 Prozent weniger Fahrzeuge los, Chrysler musste gar eine Einbuße von 36 Prozent hinnehmen. Ford kam mit einem Rückgang von 15 Prozent recht gut weg.

Foto: AP

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Die Zeit der "Großen Drei" dürfte zu Ende sei. Vor allem die japanischen Konzerne Toyota, Honda und Nissan könnten hier aufrücken.Große Pläne hat aber auch Volkswagen. Trotz der schweren Krise will der Autobauer in den USA seinen Absatz bis 2013 verdoppeln und auch die Gewinnschwelle erreichen. "Wir werden mit dem Jahr 2013 eine gute Chance haben, eine nachhaltige Profitabilität zu erreichen", sagte Stefan Jacoby, Chef von Volkswagen Amerika. Hoffnung auf bessere Zeiten versprüht auch der deutsche Autozulieferer Schaeffler, der im vergangenen Jahr wie geplant einen Umsatz von 7,5 Mrd. Euro erzielte. Die operative Gewinnmarge lag bei fünf Prozent. Wie Geschäftsführer Jürgen Geißinger in Detroit sagte, sei die Talsohle in der schweren Branchenkrise durchschritten.

Foto: Reuters/Cheyne

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Zu Beginn der Automesse hat sich die US-Autobranche jedenfalls wieder zuversichtlich gezeigt. "Ich blicke wirklich optimistisch in die Zukunft", sagte GM-Vizechef Bob Lutz. Aus den schmerzhaften Neustrukturierungen von GM und Chrysler sei der Standort Detroit gestärkt hervorgegangen, so Lutz. GM sei nun wieder eine starke Firma und werde wie "Phönix aus der Asche" steigen.

Im Bild: Die größte Automesse der USA begann mit der Auszeichnung des Ford Fusion Hybrid als Auto des Jahres.

 

Foto: APA/Maury

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Die Veranstalter erwarten jedenfalls heuer auf der Messe rund 650.000 Besucher - vor einigen Jahren waren es noch mehr als 800.000. Für den Großraum Detroit, der unter den Massenentlassungen der vergangenen Jahrzehnte in der Autoindustrie schwer zu leiden hat, ist die Veranstaltung immer noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Im Bild: Cadillac CTS-V Coupe debütiert ebenfalls in Detroit.

Foto: Reuters/Ho

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Chinesische Autohersteller haben indes die westlichen Märkte in Europa und den USA im Visier. Besonders der Hype um Elektrofahrzeuge soll nach Plänen ihrer Konstrukteure zu Absatzsteigerungen beitragen berichtet pte. Tianjin Qingyuan Electric Vehicle (im Bild) will etwa den Verkauf in Übersee gegenüber den Vorjahren um 50 Prozent nach oben schrauben.

Foto: Reuters

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Umgekehrt war der Absatz an verkauften Wagen laut staatlicher chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua im vergangenen Jahr in China der größte weltweit. Demnach stieg der Absatz in China 2009 um 46,15 Prozent auf mehr als 13,6 Mio. verkaufte Autos. Der chinesische Automarkt verdrängte damit die US-Branche von der weltweiten Spitzenposition. Für dieses Jahr erwarten Experten in China Zuwächse von bis zu zehn Prozent. (APA/red)

Im Bild: US-Staatssekretär Ray LaHood

Foto: Reuters/Blinch