Längst weiss jede/r, dass die "Hacklerei" weder "Hackler" begünstigt, noch sonst wie fair oder leistbar ist*. Dennoch haben alle Parlamentsparteien im Lizitationsrausch vor der NR-Wahl 08 diesen Spuk bis 2013 verlängert. Das kostet sehr viel mehr als prognostiziert, durch vielfältig erleichterten Run auf das Privileg.

Löbliches Längerarbeiten zu prämieren ist grundsätzlich vernünftig. Doch schon der Dummslogan "45 Jahre sind genug" suggeriert Falsches: hier werden zwei bis drei Jahre Krankenstand ebenso angerechnet wie Militär- und Zivildienst, fünf Jahre für Kindererziehung - und großzügiger Nachkauf von Schul- und Studienzeiten. "Genug" gearbeitet für eine Pension ist ab sieben Arbeits- und 15 Versicherungsjahren!

So lukriert eine Frau, die von 20 bis 55 arbeitet und ein Kind hat, nach 35 Jahren einen Hackler-Bonus von über 100 Prozent gegenüber dem "Eckrentner" mit 65-45-80; eine Pension über 300 Prozent ihrer Beitragsleistung; bis hunderttausende Euro Zuschuss pro Hackler/in. Praktisch reichen 26 leichte Jahre für eine "Hackler"-Rente.

Dass das keine "Auslaufmodell" würde, wie bei der Einführung erhofft, sondern ein Take-the-money-and-run-Hit, hatte ich immer vorhergesagt. Inzwischen umfasst die "Hacklerei" 68 Prozent aller Frühpensionen und kostet allein im Jahr 2013 satte 560 Millionen, fast soviel wie die gesamte Sanierung der Krankenkassen.

Finanzminister Pröll will sie daher "unverzüglich" zurücknehmen, Sozialminister Hundsdorfer künftig zwei Jahre später und nur noch mit halber Subvention (halben statt keinen "Abschlägen") zulassen, das kostet ca. 30 bis 50 Prozent der Ausgaben. Ersteres geht nicht ohne Koalitionspartner und Brechen eines haltlosen aber zugesagten Wahlversprechens, letzteres ist längerfristig völlig unfinanzierbar. Wir vermuten zudem, dass sich die Regierung bei den "Mehrkosten" des "Hackler-Klumpen-Effekts" grob verschätzt hat und diese selbst bei sofortigem Auslaufen 2014 noch Jahrzehnte hunderte Millionen Euro Zusatzaltlasten jährlich bewirken werden.

Weil nun aber diese Kuh längst aus dem Stall ist und die unhaltbaren Versprechen Gesetzeskraft haben gibt es eigentlich nur noch einen einzigen ehrlichen Ausweg aus dieser lose-lose-Situation:Langzeitbeschäftigte bei strengeren Zugangsbedingungen weiterhin besser zu stellen, aber statt einer Arbeitskraftstilllegungsprämie für Aussteiger einen weit höheren Bonus für Weiterarbeiten anzubieten - eine passivierende Konsumsubvention in eine aktivierende Erwerbsinvestition umzuwandeln.

Bonus-Versprechen für Langzeitbeschäftigte würden weder gebrochen noch beendet, sondern so weiterentwickelt, dass Ungerechtigkeiten beseitigt, Arbeitsanreize geschaffen und Gesamtkosten verringert werden. So würden sogar eine 50-Prozent-Steigerung bis Verdreifachung des Bonus für Weiterarbeiten auf 12,6 Prozent jährlich höchstens 40 bis 80 Millionen kosten und 2013 gegenüber der derzeitigen Aussteigerförderung 459 bis 499 Millionen einsparen. Es wäre auch viel weniger teuer und selbst dauerhaft finanzierbarer als die Hundsdorfer-Idee einer Art "Hacklerei light" ab 57/62 (bis 2028-2033?). Und erstmals ein politisch richtiges Anerkennungssignal für Langzeitbeschäftigte als "fleißige und tüchtige Leistungsträger". (Bernd Marin/DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2009)