Warschau - Ehemalige hochrangige Mitglieder der rechtskonservativen polnischen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) haben am Wochenende die Partei "Polen Plus" gegründet. Bisher hatten sich die Abgeordneten nur in einer gleichnamigen Parlamentariergruppe zusammengeschlossen. Zum Vorsitzenden wählte die Partei den ehemaligen Transportminister Jerzy Polaczek. Ihr prominentester Vertreter ist Ex-Innenminister Ludwik Dorn.

Die politischen Kräfte, die in den vergangenen Jahren Reformen eingeleitet hatten, seien verbraucht, erklärte Dorn beim Gründungsparteitag. Seine Partei strebe die Reform der Staatsfinanzen, der Pensionen und des Gesundheitswesens an. Der Zeitung "Dziennik Gazeta Prawna" erklärte Dorn, die PiS und die rechtsliberale Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO) "haben den größten realen Problemen Polens den Rücken zugewandt". Mit "Polska Plus" soll eine dritte konservative Kraft entstehen, die ihre Wurzeln in der Oppositionsbewegung des kommunistischen Polen hat.

Gegenüber "Dziennik Gazeta Prawna" dementierte Dorn Meldungen, "Polska Plus" werde mit der PiS ein Wahlbündnis bilden. Diese Informationen stammten aus der PiS und wollten ihn und seine Weggefährten als "Geschäftemacher" darstellen, denen es nur um einen Abgeordnetensitz gehe.

"Polska Plus" gehören außerdem Ex-Kulturminister Kazimierz Ujazdowski und der ehemalige Vize-Kulturminister Jaroslaw Sellin an. Die Soziologen Pawel Spiewak und Jadwiga Staniszkis wollen die Partei nach Informationen der Zeitung "Gazeta Wyborcza" als Beobachter begleiten.

Dorn galt früher in der PiS als "dritter Zwilling" neben dem amtierenden Parteivorsitzenden Jaroslaw Kaczynski und dem heutigen Präsidenten Lech Kaczynski. Nach der Parlamentswahl 2007, bei der die PiS deutlich abgeschlagen hinter der PO landete, kritisierte Dorn Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski für dessen angeblich autoritären Führungsstil. 2008 schloss ihn der PiS-Vorstand aus der Partei aus. Bis vor kurzem bezeichnete sich Dorn als "PiS-Mitglied in der Verbannung" und hoffte auf eine Rückkehr. (APA)