Musikmanager Michael Nemeth.

Foto: Höller

Graz - Zuerst käme die Programm-idee, dann käme die Wahrheit - "also die Rechnung", meint Michael Nemeth nicht nur scherzhaft. Idee und Kalkulation müssen natürlich in einem vertretbaren Verhältnis zueinander stehen. Ist dies der Fall, reist aber auch ein Dirigent wie Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern an. Das sind dann die Sonderkonzerte des "Musikvereins für Steiermark", dessen Chef Nemeth seit 2007 ist, die überregionale Strahlkraft aufweisen.

Wobei: Um Geld, also Gagen, alleine geht es da nicht. "Oft ist es einfach eine Terminfrage, warum etwas nicht klappt. Wir haben etwa ein gutes Verhältnis mit dem Wiener Musikverein - das hilft, um an gewissen Tourneen mitpartizipieren zu können. Mit dem Christian Thielemann wird es sicher auch in Zukunft Termine geben. Wer bei uns war, der kommt eigentlich in der Regel wieder."

Das läge auch "daran, dass wir uns bemühen, die Künstler quasi rundum zu betreuen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber in der Branche längst nicht mehr. Deshalb wird das von den Künstlern geschätzt. Unser größtes Glück ist aber natürlich der traditionsreiche Stephaniensaal, er ist akustisch einer der weltbesten. Das ist sogar berechnet worden!"

Will man ein Grazer "Tor zur internationalen Musikwelt" sein, kann das wohl nicht wirklich schaden. Die verwöhnten prominenten Gäste dieser Saison - Sänger wie Cecilia Bartoli, Ian Bostridge oder Annette Dasch und Solisten wie Pianist Martin Helmchen oder Geiger Julian Rachlin - wollen schon mit guten akustischen Rahmenbedingungen rechnen dürfen.

Seit 2007 bemüht sich der 31-jährige Nemeth erfolgreich, Bedingungen und Angebot zu verbessern. Die Sponsorengelder hätten sich beträchtlich vermehrt - auch wegen der großen Künstlernamen, die kommen; und auch um jüngeres Publikum kümmert man sich verstärkt. "Mit durchschnittlichen Kartenpreisen von 30 bis 40 Euro sind wir ohnedies nicht im hochpreisigen Segment. Außerdem verschenken wir Kartenkontingente an Musikstudenten. Und was das Programm anbelangt: Wir haben auch ein Projekt, bei dem etablierte junge Musiker wie Schlagwerker Martin Grubinger bei uns junge Kollegen vorstellen", so Nemeth, der einst bei einer Künstleragentur in Wien arbeitete und weitere Erfahrungen u.a. beim Wiener Klangbogen gesammelt hat.

Den 2700 Abonnenten wird man aber zur nächsten Saisoneröffnung auch ein Promenadenkonzert (mit dem RSO-Wien) bieten, später zudem ein Gastspiel von Komponist Krzysztof Penderecki, der natürlich Eigenes dirigieren wird. Und vielleicht auch das "Konzert für Österreich" mit den Wiener Philharmonikern, das sei aber noch nicht sicher. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 12.01.2010)