Wieso sollte Joseph S. Blatter, der Präsident des Fußball-Weltverbands, nun die Augen öffnen, die er längst verschlossen hat? Natürlich hat in diesen seinen Augen der mörderische Anschlag auf Togos Fußballteam bei der Anreise zum Afrika-Cup in Angola für die WM in Südafrika (ab 11. Juni) rein gar nichts zu bedeuten.

Südafrika gilt als das "entwickeltste" und, wie "der Westen" gerne feststellt, "westlichste" Land des Kontinents, seine Probleme sind dennoch mannigfaltig. Von ihnen ist, was die WM betrifft, die hohe Kriminalitätsrate das größte - wenn nicht für schwer bewachte Fußballer, so doch für Fans, die nicht nur das Land im Land, also die WM, sondern tatsächlich auch Südafrika bereisen wollen.

Angola ist Südafrika fern und nah zugleich. Da wurde angedeutet bis unterstellt, das Team Togo habe sich seine Toten selbst zuzuschreiben, weil es nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Bus anreisen wollte. Mit Afrika hat eine so unangemessene Reaktion freilich weniger zu tun als mit dem Fußball. Den Mord am ehemaligen Salzburger Fußballer Peter Burgstaller vor der WM-Auslosung im November 2007 in Durban hatte Blatter damit kommentiert, dass "auch" in Zürich ein 16-jähriges Mädchen getötet worden sei. Sein Verdienst sei Afrikas erste WM gewesen, soll einst in den Fußballbüchern stehen. Seine Schuld? Das wird Blatter nicht lesen. Nicht mit seinen Augen. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 12. Jänner 2010)