Salzburg - Die Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 2008 wird einer 25-jährigen Akademikerin aus Bad Gastein wohl noch lange im Gedächtnis bleiben: Als sie gegen zwei Uhr gerade mit ihrem Freund auf den Straßen ihres Heimatorts unterwegs ist, trifft sie auf eine Gruppe gleichaltriger junger Männer aus der Umgebung, die gerade angeheitert von einem "Ritteressen" kommen. Das Pech der Frau: Sie hat indische Vorfahren und sieht nicht ganz so aus, wie sich die jungen Männer eine "echte Österreicherin" wohl vorstellen.

Einer in der Gruppe, der Arbeiter Christian L., soll sich besonders mit Beschimpfungen hervorgetan haben: Sie hätte "1939 keine Lebensberechtigung mehr gehabt", "Mulatten und Mischlinge" hätten "nicht das Recht, mit mir auch nur zu sprechen", sie solle sich doch "gefälligst hinknien". Außerdem soll L. die rechte Hand zum Gruß erhoben und "Heil Hitler" gebrüllt haben. Als der Freund der Frau dazwischenging, habe der mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrafte L. ihn geschlagen und getreten. Ob er sich nicht schäme, mit der Frau "Rassenschande" zu treiben, soll L. laut Aussage des Paares noch gemeint haben.

"Ich bin kein Nazi"

Der Angeklagte und seine Begleiter räumten die Körperverletzung ein, bestritten aber rassistische oder nationalsozialistische Äußerungen. Ihm sei höchstens ein "Scheiß-Ausländer" herausgerutscht, meinte L.: "Ich bin kein Nazi, überhaupt nicht, und ich befürworte das auch nicht."

Aussage stand gegen Aussage. Doch es gab einen unbeteiligten Zeugen: Ein Saisonnier aus Norwegen hatte den Zwischenfall beobachtet. Bei der ersten Verhandlung im Herbst war er noch nicht wieder in Österreich zurück, doch am Montag bestätigte er die Angaben der beiden Opfer: Er sei sich "hundertprozentig sicher", dass L. "Heil Hitler" gerufen und die rechte Hand gehoben habe. Den Rest der Beschimpfungen habe er nicht verstanden.

Den Geschworenen dürfte das genügt haben: Einstimmig befanden sie L. sowohl der Körperverletzung als auch der nationalsozialistischen Wiederbetätigung für schuldig. Die drei Berufsrichter setzten die Strafe mit 15 Monaten bedingter Haft fest. Außerdem muss L. eine saftige Geldstrafe zahlen sowie für Schmerzensgeld und Verdienstentgang aufkommen. Er erbat Bedenkzeit, das Urteil ist nicht rechtskräftig. (Markus Peherstorfer/DER STANDARD-Printausgabe, 12.1.2010)