Fast ein Jahr hat es gebraucht, bis die Kärntner SPÖ nach dem Landtagswahldebakel aus ihrem traumatischen Tiefschlaf aufzuwachen beginnt. Zumindest hat Parteichef Reinhart Rohr, der einem raschen Neustart im Wege stand, den Rücktritt erklärt - aber wohl nur, weil der innerparteiliche Druck auf ihn zu groß geworden ist.

Seit dem selbstverschuldeten Unfalltod Jörg Haiders scheint die Kärntner SPÖ noch immer paralysiert. Man hat bis heute keinen Plan, wie man seinen politischen Erben (den zerstrittenen Freiheitlichen von FPK und BZÖ) und der mit ihnen auf Gedeih und Verderb verketteten ÖVP politisch Paroli bieten kann. Und das, obwohl Haiders Erbschaft mit Hypo-Desaster und Beinahe-Landesbankrott für jedermann sichtbar ist. Beißhemmend wirken Regierungsproporz und die Tatsache, dass auch die SPÖ durch ihr Abnicken von Haiders Landesbudgets und der Hypo-Wandelanleihe oder zuletzt beim "Jugendtausender" Mitschuld an der Kärntner Misere hat. Ein bloßes Köpfe-Tauschen wird nicht reichen, um wieder Profil zu gewinnen.

Interessenten für den Parteivorsitz mögen sich endlich aus der Deckung wagen und Klartext reden. Das gilt vor allem für den Favoriten Gerhard Seifried, der jetzt eine seltene Gelegenheit hat, echte Veränderungen herbeizuführen. Aber wenn noch lange herumgeeiert wird, kann sich die Kärntner SPÖ gleich mit FPK und ÖVP zur KEP - zur Kärntner Einheitspartei - fusionieren. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 11.1.2010)