Während Googles Android und Apples iPhone bei Marktanteilen und Kunden- wie Medienaufmerksamkeit laufend zulegen, ist beim Mitbewerber Windows Mobiles beides seit 2007 im Begriff zu sinken. Weil Microsoft es verabsäumte, Windows Mobile 7 als modernen Mitstreiter im Kampf um die Smartphone-Dominanz rechtzeitig in den Ring zu schicken, wurde Version 6.5 als Zwischen-Release im vergangenen September eingeschoben. Doch das mobile Betriebssystem fiel bei Testern trotz einiger Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger durch. Und so wanderte der Fokus der Gerätehersteller zu Android ab. 2010 wird ein entscheidendes Jahr, denn während Google und Apple die nächste Generation der Smartphones nach eigenen Vorstellungen schneidert, muss Microsoft erst zum gegenwärtigen Stand aufschließen. Microsoft-Kenner Paul Thurrot meint, dass die Redmonder einen Plan haben, der Windows Mobile noch retten könnte.

Windows Mobile 6.5 kritisiert

Wie die Windows-Sparte nach dem Vista-Flop habe Microsoft sein Mobile-Business im vergangenen Jahr neu organisiert und Windows Mobile 6.5 als Notlösung eingeführt. Doch Tester konnten damit nicht überzeugt werden. Allen voran wurde kritisiert, dass unter der neuen Oberfläche noch immer der veraltete, für eine längst vergangene Generation von Handhelds mit Stylus-Bedienung erdachte Unterbau existiert und die Windows Mobile-Smartphones noch immer mit schlechter bedienbaren, resistiven Touchscreens ausgestattet sind. Beides soll sich nun ändern.

Kapazitive Touchscreens

Mit dem HTC HD2 kam im November das erste Windows Mobile-Smartphone mit einem kapazitiven Touchscreen auf den Markt, wie er bei iPhone und Android-Handys zum Einsatz kommt. Diese Art von Touchscreens ist vollends auf die Eingabe mit Fingern ausgelegt und lässt sich flüssiger und leichter bedienen als die resistive Variante. Im Lauf des Jahres sollen laut Thurrot noch weitere Windows Mobile-Geräte mit neuen Touchscreens auf den Markt kommen.

Neues Menü, Update-System

Das zweite und wichtigere Update soll noch im ersten Quartal folgen: mit der als Windows Mobile 6.5.3 bezeichneten Version sollen die alten Untermenüs endlich der Vergangenheit angehören und eine zeitgemäße Variante mit Finger-freundlichen Buttons und Menüs folgen. Version 6.5.3 soll mit neuen Endgeräten ausgeliefert werden und Windows Mobile endlich dorthin bringen, wo es sich Microsoft bereits für den Release im September gewünscht habe. PhoneScoop zeigt in einem Video die wichtigsten Neuerungen von 6.5.3. In Zukunft sollen Updates zudem nicht erst mit neuen Geräten folgen. Microsoft will laut Thurrot sein vom Desktop-Windows bekanntes Update-System auch auf Smartphones ausdehnen um neue Features und Sicherheitsupdates sofort an die Kunden bringen zu können.

 

Too little, too late?

Windows Mobile wird voraussichtlich auf dem Mobile World Congress Mitte Februar in Barcelona offiziell angekündigt. Nähere Details sollen jedoch erst auf der MIX'10-Konferenz im März in Las Vegas folgen. Die Bemühungen, die Smartphone-Plattform mit Updates bis zum Release der neuen Version halbwegs aktuell zu halten, zeugen davon, dass Microsoft realisiert hat, dass es für Windows Mobile am Markt schon fast zu spät ist. Der Marktstart von Windows Mobile 7 ist noch nicht bekannt. Bislang war von Ende 2010 die Rede. Die Branche - allen voran die Handy-Hersteller ebenso wie Microsoft selbst - geht mittlerweile jedoch von einer weiteren Verzögerung bis 2011 aus. Wenn sich Windows Mobile 7 wie Phoenix aus der Asche erhebt und mit den dann aktuellen Versionen von Android und iPhone mithalten kann, könnte sich das Blatt für Microsoft wenden. Doch wenn Version 7 nur zum jetzigen Stand der Technologie der Konkurrenz aufschließt, dürfte für den Konzern das Verschwinden in die Bedeutungslosigkeit am Mobilfunkmarkt besiegelt sein. (br/ derStandard.at 12. Jänner 2010)