Klagenfurt - Die Kärntner SPÖ ist - wieder einmal - auf der Suche nach einem neuen Parteichef. Nachdem im Sommer 2008 Gaby Schaunig das Handtuch geworfen hatte und ihr Stellvertreter Reinhart Rohr nachgerückt war, wurde nun auch Rohr zum Rücktritt genötigt. Er hatte bei der Landtagswahl im März vergangenen Jahres für die Roten das schlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren. Nun, knapp ein Jahr später, ist seine Zeit abgelaufen. Am Mittwoch entscheiden die Gremien über eine Vorverlegung des Parteitags auf März, ob auch schon ein Nachfolger designiert wird, ist ungewiss.

Bürgermeister als Favoriten

Drei Bürgermeister werden in den Spekulationen um den neuen Chef immer wieder genannt, es sind dies Gerhard Seifried (Wolfsberg), Gerhard Köfer (Spittal/Drau) und Gerhard Mock (St. Veit/Glan). Allgemein werden Seifried die besten Chancen eingeräumt, wohl auch deshalb, weil er sich in den vergangenen Jahren von der Landespartei fast vollständig abgekoppelt hat und weder im Präsidium noch im Vorstand vertreten war.

Köfer hatte bereits vor Monaten sein Interesse für den Parteivorsitz bekundet, Probleme würde allerdings sein derzeitiges Jobprofil bereiten. Er ist Nationalratsabgeordneter und Bürgermeister, auf mindestens eine der beide Funktionen müsste er wohl verzichten. Er gilt als Pragmatiker, wird aber vom linken Parteiflügel argwöhnisch beäugt, wozu flotte Sager wie eine Forderung nach "Kopfgeld für Drogendealer" (2001) ihren Teil beitrugen.

Mock wollte schon vor fünf Jahren an die Spitze. Beim Parteitag im Oktober 2005 setzte es aber eine herbe Abfuhr. Der St. Veiter Stadtchef kam nur auf 19 Prozent und damit nicht einmal in die Stichwahl. In dieser setzte sich Schaunig gegen Rohr durch. Innerparteilich gibt es denn auch zahlreiche Stimmen, die meinen, es wäre ein fatales Signal, wenn nach Schaunig und Rohr jetzt Mock an die Parteispitze käme, quasi als damalige Nummer drei.

Doch auch gegen Seifried gibt es Vorbehalte. Vielen ist noch seine verbale Unterstützung für Jörg Haider in Erinnerung, gegen die Parteilinie forderte er nach der Landtagswahl 1999, man solle Haider zum Regierungschef wählen. 2004 gab er gemeinsam mit Haider eine Pressekonferenz - mitten im Wahlkampf. Angekreidet wird ihm auch, dass er sich zu wenig um die Parteiarbeit kümmere. Der 48-Jährige kennt aber die Strukturen, schließlich war er selbst vor seiner Zeit beim ORF in der Landespartei als Pressereferent tätig.

Funktionen von Parteichef und Spitzenkandidat trennen

Genannt wird auch Landesrat Peter Kaiser. Für ihn spricht, dass er die Partei in- und auswendig kennt, gegen ihn, dass er praktisch gleichlang politisch aktiv ist wie Rohr und sämtliche Entscheidungen der SPÖ in den vergangenen Jahren mitgetragen hat. Kaiser hatte zuletzt vorgeschlagen, man könnte die Funktionen von Parteichef und Spitzenkandidat trennen. Sein Argument: Beides sei für eine Person allein nicht bewältigbar. Kaiser gilt als eher intellektuell, sein Manko in den Augen der Kritiker ist fehlende Volksnähe.

Dazu schwirren, wie in einer solchen Situation üblich, jede Menge weiterer Namen umher, deren Chancen aber eher theoretischer Natur sind. Der Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter und die Klagenfurter SPÖ-Chefin Vizebürgermeisterin Marialuise Mathiaschitz - die beiden hatten die Personaldebatte mit öffentlicher Kritik an Rohr ausgelöst - haben jedenfalls beide abgewunken. Manzenreiter hatte 1999 für sechs Monate die Partei geleitet und scheiterte an seinem Versuch, den damaligen ÖGB-Präsidenten Adam Unterrieder aus der Politik zu dränge. Mathiaschitz, sie war bei der Bürgermeisterwahl im Vorjahr dem BZÖ-Kandidaten Christian Scheider deutlich unterlegen, will nicht in die Landespolitik, wie sie wissen ließ.

Partei finanziell angeschlagen

Der oder die Neue werden jedenfalls eine Menge zu tun haben. Die Partei ist finanziell angeschlagen, die personellen Reserven sind enden wollend und in der Landespolitik ist man in der unangenehmen Situation, Opposition machen zu wollen, aufgrund der Proporzregierung aber mit zwei Landesräten in der Regierung zu sitzen. "Wir brauchen wieder einmal einen Wunderwuzzi, aber ich sehe ihn nicht", bringt es ein langgedienter Funktionär auf den Punkt. (APA)