Eines der sieben Siegerprojekte: Der Bauträger Kallco errichtet auf Bauplatz C.02.01 insgesamt 93 Wohnungen, geplant haben sie Geiswinkler & Geiswinkler Architekten.

Bild: Stadt Wien/oln/Markus Stöger

Vizebürgermeister Ludwig stellte am Dienstag die Projekte vor. Baubeginn ist 2012.

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In unmittelbarer Nähe des neuen Wiener Hauptbahnhofs wird ein neues Stadtquartier mit rund 5.000 Wohnungen, einem Schulcampus, einer großen Parkanlage sowie Bürobauten und Geschäften errichtet. Die Stadt schreibt dabei hohe ökologische, ökonomische und architektonische Standards vor. Beim Bauträgerwettbewerb, der vom wohnfonds_wien durchgeführt wurde und im vergangenen Juni startete, wurden insgesamt 24 Projekte für sieben Bauplätze eingereicht. Die sieben Siegerprojekte sind ab heute, Dienstag, vier Tage lang an der TU Wien zu besichtigen (Infos siehe unten).

"Breit gefächerter Mix"

"Die gestellten Anforderungen – ganz besonders im Hinblick auf das neue Kriterium 'Soziale Nachhaltigkeit' – wurden bei allen Siegerprojekten auf hervorragende Weise umgesetzt", freute sich Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) bei der Eröffnung der Ausstellung, die er gemeinsam mit Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner, den Wohnfonds-Geschäftsführern Michaela Trojan und Dieter Groschopf, dem Juryvorsitzenden TU-Professor Rudolf Scheuvens und Architekt Albert Wimmer, der für den Masterplan verantwortlich zeichnete, vornahm. Zu sehen sind die Siegermodelle und anhand von Wettbewerbstafeln auch die Details zu den Projekten.

"Neben vielfältigsten Wohnungstypen und flexibel adaptierbaren Wohnungsgrundrissen, Wohnungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, betreutem Wohnen, Wohnen-für-Generationen-Wohnungen sowie Home-Offices ist ein breit gefächerter Mix an Kommunikationsflächen und Gemeinschaftsräumen für alle Generationen vorgesehen, die zum Teil auch von den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam gestaltet werden können. Dazu zählen Nachbarschaftsgärten, Mieterbeete, multifunktionelle Räume, die für Hobbys, Theateraufführungen oder Feste zur Verfügung stehen, aber auch durchdachte Grünräume, die viel Raum für entspannten Austausch und für Erholung bieten", so Ludwig. Auf diese Weise werde das Zusammenleben gefördert und die sozialen Netze innerhalb der Hausgemeinschaften gestärkt. "Ergänzt werden die Angebote durch soziale Einrichtungen, wie beispielsweise ein Tagesmutterzentrum", erklärte Ludwig.

Baugruppen als Wettbewerbs-Novum

Erstmals wurden bei einem derartigen Wettbewerb auch zwei Komplexe für Baugruppen reserviert, die ihr künftiges Haus aktiv mitgestalten wollen – ein Pilot- und zugleich Forschungsprojekt. Die Wiener Wohnbauförderung hat zwar bereits einige Baugruppen unterstützt – wie die Sargfabrik oder das Frauenwohnprojekt "Ro*sa" -, in der Wettbewerbskonstellation handle es sich jedoch um ein Pilotprojekt, das wissenschaftlich vom Referat für Wohnbauforschung begleitet wird. Die Erkenntnisse daraus sollen in das nächste Vorhaben einfließen, das in der "Seestadt Aspern" verwirklicht werden soll, so Wolfgang Förster von der Wiener Wohnbauforschung.

Im Inneren des neuen Grätzels sind dafür zwei Blöcke mit je 25 Wohnungen vorgesehen. Volumen, Struktur und Position sind fixiert, die Fassadengestaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit den künftigen Bewohnern, die in Gemeinschaft mit Architekten ihr Wohngebäude konzipieren.

Ausweitung denkbar

"Das hat den Vorteil, dass man sich vorher schon ein bisschen anschauen kann, wie die Nachbarn ausschauen", umriss Ludwig die Vorzüge des Konzepts "Baugruppen". Es gehe darum, nicht nur Wohnungen zum Konsumieren zu schaffen, sondern zum Gestalten. Bisher habe man 45 Interessenten, die Hälfte davon Privatpersonen und ein Viertel Architekten, die sich die künftigen Bewohner suchen wollen, so Ewald Kirschner vom Bauträger Gesiba. Man werde diese nun anschreiben, woraufhin die Gruppen acht Wochen Zeit haben, ihre Konzepte zu präsentieren. Der oder die Gewinner werden dann bis Frühsommer gekürt.

Sollte es viele spannende Konzepte geben, sei auch eine Ausweitung des Projekts auf weitere Teile des Bauplatzes denkbar. Errichtet werden jedenfalls Mietwohnungen mit einer Kaufoption nach zehn Jahren.

Bei Bedarf könnten Baugruppen eines Tages Bestandteil jedes Bauträgerwettbewerbs werden. Insgesamt verzeichne man jedenfalls 30 Jahre nach der ersten Welle in den 1970er Jahren ein gesteigertes Interesse am gemeinschaftlichen Wohnen. Bei entsprechender Nachfrage soll beim Wohnservice eine Beratungsstelle für Baugruppen-Interessierte eingerichtet werden.

Bisher umfangreichster Wettbewerb

Mit 1.160 neuen Wohnungen war der Bauträgerwettbewerb Sonnwendviertel der bis dato umfangreichste Wettbewerb – "und das an einem städtebaulich hochinteressanten Standort, zentral gelegen, mit unglaublich viel Potential zur innovativen Stadtentwicklung. Es war für Auslober und Jurymitglieder eine Freude zu sehen, wie ernsthaft, durchdacht und auf welch hohem Niveau alle Beteiligten ihre Projekte entwickelt haben", so Wohnfonds-Geschäftsführerin Trojan.

Baubeginn für die Wohnprojekte wird 2012 sein, die Fertigstellung ist für 2013/2014 geplant. Die Gesamtbaukosten aller Projekte werden rund 171 Millionen Euro betragen, die Stadt Wien fördert die Errichtung der Wohnbauten mit insgesamt rund 62 Millionen Euro. (red/APA)