Bild nicht mehr verfügbar.

Neo-Opel-Chef Nick Reilly.

Foto: AP

Detroit - GM-Europa-Chef Nick Reilly wird künftig auch die deutsche Tochter Opel führen. Das bestätigte Reilly indirekt am Dienstag vor Journalisten auf der Autoshow in Detroit. Auf die Frage, ob er bei der Aufsichtsratssitzung der Adam Opel GmbH am Freitag zum Opel-Chef ernannt werde, antwortete Reilly: "Das würde ich nicht dementieren." Reilly kündigte an, den Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer bis Ende Jänner vorzulegen. Er hoffe, dass die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern bis dahin abgeschlossen seien.

Reilly brachte den Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz mit der Aussage in Rage, dass sämtliche Forderungen der Arbeitnehmer noch offen seien. Bisher sei vor allem über Details gesprochen worden, Entscheidungen etwa über die vom Betriebsrat geforderte Mitarbeiterkapitalbeteiligung oder die Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft seien noch nicht getroffen worden, erklärte Reilly. Solange das Gesamtpaket nicht stehe, sei kein einzelner Punkt abschließend abgehakt.

Dies wertete der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz als "unheimlichen Affront": Reilly habe bereits am 10. Dezember schriftliche Zusagen zu beiden Themen abgegeben. So habe Reilly schriftlich die Bereitschaft von GM erklärt, die Umwandlung der GmbH in eine AG auf den Weg zu bringen. Der Betriebsrat verhandle bereits mit Anwälten und Wirtschaftsprüfern. "Auf einer anderen Basis gibt es keine Mitarbeiterbeiträge", unterstrich Franz.

Bei der Kapitalbeteiligung sei lediglich die Frage offen, in welcher Höhe die Mitarbeiter im Gegenzug für ihren jährlichen Lohnverzicht von 265 Mio. Euro am Unternehmen beteiligt werden. "Im Grundsatz ist die Entscheidung aber getroffen", sagte Franz. Die Arbeitnehmer verlangen zehn Prozent, GM bietet bisher zunächst fünf Prozent, die im Gegenzug für den Lohnverzicht danach jährlich um ein Prozent aufgestockt werden sollen.

Einigung

Auch über die vom Betriebsrat geforderte Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter in Höhe von zehn Prozent des Nettogewinns sei längst Einigung erzielt worden. "Reilly kann sich jetzt nicht einseitig von der Erklärung abwenden", sagte Franz.

Aus Sicht des Betriebsratsvorsitzenden, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef von Opel ist, ist die Entscheidung über die Besetzung der Opel-Spitze noch nicht getroffen: "Ich weiß nicht, wie der Aufsichtsrat entscheiden wird." Sollte Reilly wie erwartet ernannt werden, würde der britische GM-Manager die Nachfolge von Hans Demant antreten. Demant steht seit 2004 an der Spitze des traditionsreichen Rüsselsheimer Autoherstellers. Er gilt als ausgezeichneter Ingenieur, konnte sich aber im Poker um die Zukunft Opels nicht als "Mister Opel" behaupten.

Das für das Monatsende angekündigte Konzept zur Sanierung von Opel ist die Grundlage für Verhandlungen über Staatshilfen. GM hat den Bedarf auf 3,3 Mrd. Euro beziffert, rund 2,7 Mrd. sollen die Regierungen aufbringen. General Motors werde 600 Millionen bereitstellen. Der Rest müsse mit Zugeständnissen der Beschäftigten und Krediten der europäischen Staaten gedeckt werden.

Die Umstrukturierung werde zum Abbau von etwa 9.000 Arbeitsplätzen führen, sagte Reilly. Für den kommenden Freitag oder Montag kündigte er eine Mitteilung zu Änderungen im Management von Opel und GM Europe an. Die bei Opel im vergangenen Jahr entstandenen Verluste werde es auch in diesem Jahr weiter geben, sagte Reilly. Der "Break-Even Point", also die Gewinnschwelle, sei zu erwarten, wenn Opel 13 bis 13,5 Millionen Fahrzeuge in Westeuropa verkaufen könne. General Motors plane auch neue Investitionen in die Produktentwicklung.

Zwar verteidigte Reilly dies am Freitag, weil der europäische Autobauer derzeit von amerikanischen Steuergeldern am Leben gehalten werde. In Deutschland stößt die Forderung nach Kreditbürgschaften bisher aber auf wenig Gegenliebe.

Wirtschaftlich geht es nach Reillys Prognose mit Opel frühestens 2011 wieder bergauf. Er sei zuversichtlich, dass Opel dann profitabel sein könne. Im laufenden Jahr werde Opel die Krise auf dem westeuropäischen Automarkt nochmals zu spüren bekommen. "Es wird schwer für uns, das Volumen von 2009 erneut zu erreichen. Ich rechne mit einem Absatzrückgang zwischen null und fünf Prozent", sagte Reilly. Möglicherweise werde Opel wegen des neuen Astra, des Insignia und des neuen Meriva, der im Laufe des Jahres in die Autohäuser kommt, etwas besser abschneiden.

Bisher ist Opel fast ausschließlich in Westeuropa aktiv und kann daher nicht von dem 2010 erwarteten Wachstum in China, Indien oder den USA profitieren. Künftig solle Opel nach und nach auch andere Märkte erschließen, versprach der GM-Europa-Chef.

Opel und Vauxhall verkauften 2009 rund 1,2 Millionen Autos nach 1,4 Millionen im Jahr zuvor. "Wir haben 2009 in Europa Geld verloren", sagte Reilly. (APA)