Hoffentlich zielt die Regierung nicht auf Gleichschaltung ab, wenn sie per Verstaatlichung volle Kontrolle über die Nationalbank anstrebt: Experten des Instituts veröffentlichen regelmäßig Studien, die führenden Koalitionären in die Argumentation pfuschen.

Höhere Vermögenssteuern würden den Mittelstand schröpfen, behaupten Kanzler und Vizekanzler einträchtig. Die Daten der Notenbanker zeichnen ein anderes Bild. Von den Immobilien bis zu den Unternehmen gilt: Eine kleine Oberschicht hält große Summen. Das oberste Tausendstel kommt auf acht Prozent des Geldvermögens - genauso viel, wie die untere Hälfte aller Haushalte besitzt. Der Durchschnittsösterreicher verfügt in der Regel über so wenig Geld, dass er selbst unter kleinliche Freigrenzen fiele. Für die Häuslbauer ließen sich Ausnahmen, zumindest während der Laufzeit der Kredite, festschreiben.

Die Vermögen sind lange stark gewachsen. Die Finanzkrise hat nun einiges an (Aktien-)Werten weggefressen, doch viele Verluste wurden vorerst nur am Papier verbucht, und schon steigen wieder die Kurse. Für Vermögende ist die Krise leichter zu verkraften als für schlechter situierte Werktätige, die den (hoch besteuerten) Arbeitsplatz verlieren (können). Wenn Faymann und Pröll bei der Budgetsanierung die Vermögen aussparen wollen, ist das kein Bonus, sondern eine Ohrfeige für die breite Masse, die viel ärger unter umso härteren Sparpaketen leiden würde. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2010)