Dass neun Monate nach längeren Stromausfällen und anderen Ereignissen, die Menschen zu Hause festhalten, in den betroffenen Gebieten schubartig eine größere Anzahl Kinderlein auf diese schöne Welt zu kommen pflegt, ist ein alter Hut. Unsere britischen Freunde sorgen jedoch dafür, dass Anfang Oktober eine metaphorische Abklopfung dieses Hutes nötig wird: Denn viele zu Jännerbeginn in ihren schneeverwehten Häusern eingeschlossene Insulaner beiderlei Geschlechts fanden eben nicht zueinander, sondern nur in ihren Computer.

Dabei waren sie durchaus vom Wunsch nach direkter mitmenschlicher Nähe getrieben, oft während im Nebenzimmer die Gattin / der Gatte - vielleicht ja mit derselben Beschäftigung zugange - saß: Die Plattform Illicit Encounters (Unerlaubte Begegnungen), eine Dating-Site für Verheiratete auf der Suche nach dem Aushatscher, musste während der Schneetage kurzfristig ihr Personal aufstocken, um der neuen Anmeldungen Herr und Frau zu werden. 2567 neue Mitglieder meldete eine Firmensprecherin, die meisten aus den am schlimmsten eingeschneiten Regionen.

Was lernen wir daraus: Zuallererst, dass immer mehr Menschen der Computersicherheit am Arbeitsplatz nicht trauen. Hingegen scheint der Glauben an das Gespons - dass dieses den PC des anderen nicht knackt - ungebrochen. Das muss einstweilen reichen, um die Hoffnung auf die Zukunft der Ehe aufrechtzuerhalten.(guha, DER STANDARD Printausgabe, 13.01.2010)