Oakington soll bald Northstowe heißen. Dann wird die frühere Luftwaffen-Basis in der Nähe der Universitätsstadt Cambridge zu einer der neuen Öko-Städte werden, welche die Labour-Regierung plant. Bis 2011 steht Oakington aber noch als Synonym für die immer härter werdende Einwanderungspolitik Großbritanniens: Das Haftzentrum für Immigranten - eines von insgesamt elf landesweit - hat immer wieder Hilfsorganisationen, Parlament und Öffentlichkeit auf der Insel beschäftigt. Und es ist das Vorbild von Innenministerin Maria Fekter in Wien, die sich bei ihrem Vorschlag, Asylwerber zu kasernieren, auf Oakington beruft.

Derzeit sind 408 bereits abgelehnte Asylbewerber in der Anstalt untergebracht. Viele haben die freiwillige Heimreise in ihre Herkunftsländer abgelehnt. Bei manchen,etwa Tamilen aus Sri Lanka,drängt nicht einmal die britische Regierung auf die Heimkehr, weil ihnen dort nachweislich Gefahren drohen. Viele seien "bereits länger als ein Jahr" in Oakington, berichtete die Labour-Abgeordnete Diane Abbott. "Für diese unglückseligen Menschen muss es den Anschein haben, als würden sie auf unbegrenzte Zeit festgehalten." Die Zustände in Oakington haben Methode: Im ersten Quartal 2009 waren im ganzen Land mehr als 2000 Asylbewerber in unterschiedlichen Stadien ihrer Verfahren für mehr als ein Jahr interniert. Es sei "nicht zu akzeptieren, dass man Leute einsperrt, nur weil sie um Sicherheit in Großbritannien bitten", sagt Donna Covey vom Flüchtlingsrat.

Aufstände im Lager

Auch Zentren wie Yarl's Wood bei Manchester, wo es mehrfach zu Aufständen kam, und Harmondsworth in der Nähe des Flughafens Heathrow bei London, machen immer wieder Schlagzeilen. Oakington erlangte traurige Berühmtheit durch den schockierenden Bericht zweier Undercover-Reporter der BBC. Diese hatten sich als Wärter anwerben lassen und die Vorgehensweise ihrer Kollegen heimlich gefilmt. Nach der Ausstrahlung 2005 ließ die Regierung das privat betriebene Zentrum durch einen unabhängigen Gutachter unter die Lupe nehmen.

Ergebnis: In Oakington existiere eine "Subkultur von Garstigkeit", regelmäßig wurden Internierte mit rassistischen Ausdrücken beleidigt oder gar körperlich angegriffen. Vier Jahre später war der damals verantwortliche Leiter noch immer auf seinem Posten. Dem Flüchtlingsrat ist seit Herbst 2008 der Zugang zum Asyl-Zentrum in Oakington verwehrt. Seither hätten die Insassen keinen regelmäßigen Zugang zu Rechtsberatern, klagt der Cambridger Abgeordnete David Howarth. Die Einwanderungspolitik der Labour-Regierung wird von der Bevölkerung in Umfragen aber dennoch als zu lasch eingestuft. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD Printausgabe, 13.01.2010)