Handy zücken - Sehenswürdigkeit mit der Kamera anvisieren - lesen, was Wikipedia dazu weiß. Wikitude nennt sich das Helferlein der Halleiner Firma Mobilizy, und es illustriert ganz gut, wie sich der kanadische Kapazunder für die Verknüpfung von reellen mit virtuellen Umgebungen, Paul Milgram, den Begriff der "Erweiterten Realität" 1994 in der Theorie vorgestellt hat.

Für Milgram also ein klarer Fall von "Augmented Reality" - für die Förderbank von KMU, die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), per Definition ein reales Beispiel für ein "innovatives unternehmerisches Projekt im Kontext der Kreativwirtschaft". Aber wenn nun selbst die New York Times Wikitude überschwänglich als sinnvolles Gadget für Reisende lobt und Lonely Planet diese Technologie bereits in seine Handy-Reiseführer integriert, zeigt das auch die Funktionsweise und den Sinn dieser Förderung für KMUs: Rasch und relativ unbürokratisch muss sie sein, damit die Umsetzung einer innovativen Idee rechtzeitig im internationalen Marktumfeld positioniert werden kann.

Impulse verschiedener Größe

Seit 2005 gibt es die dafür geschaffene impulse-Förderschiene der aws - in einer je nach Höhe der Fördersumme und Länge der Projektzeit vergebenen "XS- und XL"-Variante. Beide sind darauf ausgelegt, Projekte aus der Kreativwirtschaft zu fördern, thematisch sollen also auch Bereiche wie Musik, Design, Medien- und Verlagswesen, Architektur, Mode, Film und Kunstmarkt erreicht werden. De facto hat sich aber gezeigt, dass vor allem Entwicklungen im Bereich Multimedia besonders stark unter den geförderten Projekten vertreten sind.

Der Grund dafür liegt in der Struktur der Förderung, glaubt die Programmleiterin von impulse, Sabine Pümpel. Die sei eben ideal für schnell innovierende Klein- und Kleinstunternehmen, die in diesem Kreativbereich offensichtlich häufiger Förderungen in Anspruch nehmen.

Wenn es nun beginnend mit 2010 noch eine weitere impulse-Förderschiene gibt - impulse-Lead nämlich -, könnte damit auch ein zusätzlicher Anreiz für Unternehmen aus den anderen kreativen Feldern geschaffen werden. Eine durchgängige Wertschöpfungskette sei in Bereichen wie Mode, wo oft eine Lücke zwischen Kreation und Produktion klafft, nämlich schwerer herzustellen, so Pümpel.

Demgemäß ist die Höhe der Förderung für impulse-Lead-Projekte mit bis 300.000 Euro nicht nur höher, sondern auch grundsätzlich anders aufgebaut: Berücksichtigt werden nur Leistungverbände, also entweder Konsortien oder Arbeitsgemeinschaften; also bereits bestehende "kreative Netzwerke", die Projekte mit "Modellcharakter" entwickeln. Denn nicht zuletzt sollen mit Lead vermehrt Projekte berücksichtigt werden, die auch eine Sichtbarkeit der Leistungen der heimischen Kreativwirtschaft im internationalen Umfeld garantieren. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 13.01.2010)