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Gegenüber dem Vorjahr wurden 2008 kaum weniger Treibhausgase emittiert.

Foto: APA/dpa/Rolf Haid

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Nur langsam bewegen sich Österreichs Treibhausgas-Emissionen nach unten. Selbst durch Zukäufe und Aufforstungen bleibt eine Lücke von fast sieben Millionen Tonnen. 

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Wien - "Wir haben einen Abwärtstrend, erreichen Kioto aber nicht", so kommentierte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP) die Zahlen der Treibhausgas-Bilanz aus dem Jahr 2008, dem ersten Jahr, das unter die Berechnungen des Kioto-Klimaprotokolls fällt.

Die Emissionen betrugen demnach in Österreich insgesamt 86,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (2007: 88 Millionen). Vom angestrebten Kiotoziel liegt Österreich damit in absoluten Zahlen 17,9 Millionen Tonnen entfernt. Rechnet man den Zukauf von Verschmutzungsrechten und Maßnahmen wie Aufforstungen ab, bleibt ein Loch von 6,9 Millionen Tonnen zur Zielerreichung. 2008 war das erste Jahr, in dem der fünfjährige Verpflichtungszeitraum für das Kioto-Protokoll begonnen hat. Der Rückgang ist darin - im Vergleich zu 2007 - eher bescheiden ausgefallen. Die meisten Reduktionen wurden 2008 im Energieaufbringungs- und Verkehrssektor erzielt.

Den Rückgang im Jahr 2008 um 1,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente führte Umweltminister Berlakovich auf die höheren Spritpreise und den vermehrten Einsatz von Biotreibstoff zurück. Dennoch liegt der Verkehrsbereich noch 3,7 Millionen Tonnen über den Zielen der heimischen Klimastrategie. Die Industrie hatte 2008 den größten Anteil an den Gesamt-Emissionen. Ihr Beitrag zur Luftverschmutzung hat wiederum leicht zugenommen. 2008 wurde um 24,1 Prozent mehr CO2 emittiert als 1990, damit lag die Industrie um 2,4 Tonnen über dem Ziel.

Harsche Kritik 

Zu den vorgelegten Daten kamen kritische Stimmen von vielen Seiten. "Die vorgelegte Klimabilanz legt die drastischen Versäumnisse der vergangenen Jahre in der Klimapolitik offen", sagte Christoph Streissler, Klimaexperte der Arbeiterkammer (AK). Die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner, betonte, Österreich sei noch immer "meilenweit von der Erreichung des Klimaschutzzieles entfernt". Mitten in der größten Arbeitsmarktkrise seit dem zweiten Weltkrieg verspiele die Bundesregierung die Chancen auf grüne Arbeitsplätze, bemängelte sie. Sie rechnet mit Strafzahlungen bzw. zusätzlichem Zertifikatekauf in der Höhe von über einer Milliarde Euro. Die Umweltorganisation Greenpeace fordert eine Treibstoffbesteuerung.

Ein unverzügliches gemeinsames Handeln von Bund und Ländern für ein fortschrittliches Klimaschutzgesetz forderte Manuel Graf, Sprecher der Organisation Global 2000. "Der Zukauf von Verschmutzungsrechten ist der falsche Weg: Wenig Klimaschutz wird mit viel Steuergeld erkauft, ohne langfristige Wirkung und ohne dass Österreich vom Zukunftsmarkt Klimaschutz profitiert."

Nach Auffassung des Umweltdachverbandes hat die heimische Klimapolitik versagt. "Jetzt müssen rasch Taten folgen: Wir brauchen endlich ein funktionierendes Ökostrom-Förderregime, wie es mittlerweile in Europa Standard ist", forderte Geschäftsführer Michael Proschek-Hauptmann.

Damit Österreich bis 2012 seine Treibhausgas-Emissionen von 2008 bis 2012 von 86,6 Millionen auf 68,8 Millionen Tonnen reduzieren kann, werden bereits über "grüne" Investitionen Verschmutzungsrechte, die eine Einsparung von neun Millionen Tonnen bewirken, zugekauft (aus sogenannten JI/CDM-Programmen). Durch Aufforstung spart man weitere 0,7 Millionen Tonnen und durch Emissionshandel 1,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente ein. (APA, ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.01.2009)