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Neuer Chef der Japan Airlines: Kazuo Inamori.

Foto: Reuters/Nakao

Tokio - Japans größte lebende Managementlegende Kazuo Inamori wandelte schon auf dem Pfad der Erleuchtung. Nachdem der Gründer des Elektronikkonzerns Kyocera den Firmenvorsitz abgegeben hatte, ordinierte er als buddhistischer Mönch. Nun steigt der Mönch Daiwa, Große Harmonie, im Alter von 77 Jahren noch einmal in irdische Mühsal hinab: Inamori hat am Mittwoch eingewilligt, Chief Executive Officer von Japan Airlines und damit zum Verwalter des größten Konkurses der letzten Jahre zu werden.

Geradezu buddhistisch erklärte er seinen Entschluss: "Wenn wir den Sanierungsplan, der von der Firmensanierungsgesellschaft Etic ausgearbeitet wurde, stetig umsetzen, glaube ich, dass eine Wiedergeburt von JAL möglich ist."

Inamori kommt damit einer Bitte von Ministerpräsident Yukio Hatoyama nach. Ein fester Glaube ist bei dem Job sicher eine große Hilfe. Nach mehreren fehlgeschlagenen Sanierungsversuchen ist Asiens größte Fluglinie überladen mit 1440 Mrd. Yen (10,88 Mrd. Euro) Schulden abgestürzt.

Der neue Chef muss radikal ein Drittel der 46.000 Mitarbeiter abbauen. Inamori selbst bekannte: "Ich bin ein kompletter Amateur in der Transportindustrie." Außerdem werde er wegen seines hohen Alters nur Teilzeit arbeiten können. Doch Hatoyama setzt auf Inamoris Motivationskünste, um dem früheren, als bürokratisch geltenden Staatsunternehmen neues Leben einzuhauchen.

1959 gründete der damals 27-jährige Kyoto Ceramics, kurz Kyocera, 1984 folgte der Vorläufer des heute zweitgrößten Mobilnetzbetreibers KDDI. Doch die Milliarden, die er verdiente, steckte er in größere Dinge. 1984 stiftete er den Kyoto-Preis, einen Wissenschafts- und Kulturpreis von Weltrang. Außerdem begann er, seine Managementphilosophie zu verbreiten. Statt kurzfristiger Profite sei seine Philosophie auf "nachhaltigen Erfolg angelegt, der auch für die Öffentlichkeit Wert schafft" , sagt er.

Ebenso wichtig ist für Hatoyama, einen Vertrauten an der Spitze von JAL zu wissen. Denn die Sanierung gilt als Testfall für die Entschlossenheit der Regierung, mit dem alten Klüngel aus Beamten und Bossen aufzuräumen. Und Inamori ist einer der wenigen Wirtschaftsführer, der den Demokraten schon in der Opposition mit Geld und Rat beiseite gestanden hat. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.01.2009)