Wien - Zwar sind die künftigen Eigenkapitalregeln noch keineswegs ausgemachte Sache, am Trend dürfte sich aber wenig ändern: Mehr und qualitativ höherwertiges Eigenkapital zählen zu den Kernpunkten der im Basel-Ausschuss von führenden Notenbankern und Aufsehern diskutierten Reformen.

Der Berater und Ökonom Josef Christl geht jedenfalls davon aus, dass die Banken ihr Kernkapital um ein Viertel anheben werden müssen. Das entspräche einer Lücke von mehr als zwölf Milliarden Euro. Doch damit nicht genug:In Basel wird erwogen, diverse Kapitalformen mittelfristig nicht mehr anzuerkennen, u. a. auch Partizipationskapital. Was noch wichtiger sein dürfte:Die volle Anrechnung des Kapitals von Beteiligungen könnte fallen.

Das würde beispielsweise die Erste Group hart treffen, die den ganzen Sparkassensektor bei den Eigenmitteln voll konsolidiert, obwohl sie die einzelnen Institute in der Regel nicht gänzlich kontrolliert. Dass auch die Hypo Alpe Adria von Minderheitenanteilen profitierte, zeigen deren Jersey-Aktivitäten: Dort wurden die Emissionen eines Vehikels zu 100 Prozent als Eigenmittel ausgewiesen, obwohl die Hypo nur 51 Prozent an der Gesellschaft besaß.

Angesichts der höheren Anforderungen an Banken rechnet Christl mit einem Strukturwandel. Christls Auftraggeberin, Erste-Bank-Chefin Elisabeth Bleyleben-Koren, sieht die Strategie des Instituts durch die Untersuchung bestätigt. Und erneuerte den Anspruch, Raiffeisen als Marktführer mittelfristig ablösen zu wollen. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.01.2009)