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Wurde vom israelischen Vize-Außenminister Danny Ayalon erniedrigt: Ankaras Botschafter Ahmet Oguz Celikkol.

Foto: APA/EPA/Sultan

Ankara/Jerusalem - Israel hat sich am Mittwoch offiziell für seine Behandlung des türkischen Botschafters entschuldigt. Die israelische Regierung kam damit einer Forderung des türkischen Präsidenten Abdullah Gül nach. Dieser hatte wegen des Vorfalls mit der Abberufung des Diplomaten gedroht. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte am Mittwochabend, er hoffe, dass die Sache damit aus der Welt sei.

Das israelische Außenministerium hatte den Botschafter am Montag wegen türkischer Kritik am Vorgehen Israels gegen die Palästinenser und wegen einer türkischen Fernsehsendung einbestellt. In dem TV-Beitrag waren israelische Diplomaten als Kriminelle dargestellt worden. Israels Vize-Außenminister Danny Ayalon erklärte daraufhin vor laufender Kamera, er werde dem Botschafter nicht die Hand geben und werde sicherstellen, dass keine türkische Flagge auf dem Tisch stehe. Zudem wurde der Botschafter auf einem niedrigeren Sitz platziert als die drei anwesenden israelischen Vertreter.

Am Mittwoch sagte Ayalon nach Protesten der Regierung in Ankara, sein Verhalten sei unangemessen gewesen. Künftig werde er seine Meinung in diplomatisch angemessener Form zum Ausdruck bringen. Inhaltlich bleibe die Kritik jedoch bestehen.

Die muslimische Türkei gilt als wichtiger Verbündeter Israels im Nahen Osten. Seit dem Gaza-Krieg Anfang 2009 hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern aber merklich abgekühlt.

Der jüngste Vorfall ist die schwerste Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen seit Jahrzehnten. Der Anlass war die letzte Folge der schon seit Jahren in einem türkischen Privatsender laufenden nationalistischen Serie "Tal der Wölfe" , in der in grob antisemitischer Weise der Mossad verunglimpft wurde.

Am Montag hatte der türkische Premier Tayyip Erdogan anlässlich des Besuchs seines libanesischen Kollegen Saad Hariri das israelische Vorgehen gegen die Bevölkerung in Gaza als unmenschlich bezeichnet und Israels Luftwaffe vorgeworfen, libanesisches Territorium zu verletzen. Der türkische Botschafter Oguz Çelikkol war nach der Pressekonferenz Erdogans in Ankara zu Ayalon zitiert worden, der ihn erst eine Stunde vor der Tür stehen ließ, dann bewusst auf einem niedrigen Sofa platzierte und demonstrativ die türkische Fahne entfernte.

Botschafter Çelikkol sagte nun, er sei in 30 Jahren als Botschafter noch nie "so gedemütigt" worden. Bei dem folgenden öffentlichen Aufschrei in der Türkei ging völlig unter, dass die Fernsehserie mehr als kritikwürdig ist. Israelische Agenten verschleppen da ein palästinensisches Kleinkind und töten unschuldige alte Menschen, während der türkische Held sich seinen Weg zur Befreiung des Kindes "freischießt" .

Doch für das israelische Außenministerium war die Serie offenbar nur ein Vorwand, um einen Eklat herbeizuführen. Innerhalb der Regierung ist der Umgang mit der Türkei umstritten. Während Außenminister Avigdor Lieberman für Härte bis zu einem Abbruch der Beziehungen plädiert, will Verteidigungsminister Ehud Barak, gleichzeitig Vorsitzender der Arbeitspartei, den Konflikt bereinigen. Er hatte für kommenden Sonntag eine Reise nach Ankara geplant, um zu deeskalieren, was durch den ultranationalistischen Lieberman nun konterkariert wurde. Ob die Reise nun überhaupt noch stattfindet, ist unklar. (jg, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2010)