Toronto - "Alle unsere drei Gesundheitszentren in Port-Au-Prince sind von dem Beben betroffen und nicht mehr benutzbar. Eines ist vollständig zusammen gebrochen", erklärte Paul McPhun, Operational Manager der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" für Haiti, bei einer Konferenzschaltung. Die Patienten wurden in Zelte übersiedelt. "Wir können derzeit nur Erste Hilfe leisten und zur Stabilisierung beitragen, nicht aber operieren", so Paul McPhun. Die Organisation war bei dem Beben auf Grund anderer Hilfsprojekte mit rund 800 Mitarbeitern vor Ort.

"Es herrscht eine sehr chaotische Situation", erklärte McPhun. "Menschen haben auf den Straßen geschlafenen, auf denen wir versucht haben, voran zu kommen." Der Strom an Verletzten halte weiter an. "Selbst in unsere Koordinierungszentren kommen Menschen auf der Suche nach Hilfe." Die Ärzteteams hätten die ganze Nacht durchgearbeitet. Es gehe nun darum, die Hilfe zu organisieren, um auch wieder operieren zu können. Viele der Verletzten hätten Brüche, Kopfwunden und Brandverletzungen.

"Zum Glück herrscht keine Mangel an Freiwilligen, die helfen wollen", so McPhun. Das Problem sei die Organisation, die Infrastruktur sei vollkommen zerstört worden. Die Telefonleitungen in Port-Au-Prince sind zusammen gebrochen. "Es ist sehr schwierig an Informationen zu kommen, wir versuchen derzeit, uns einen Überblick zu verschaffen."

"Ärzte ohne Grenzen" schickt in den nächsten Tagen 70 weitere internationale Mitarbeiter in das Katastrophengebiet. Vom Team des evakuierten Gesundheitszentrums im Slum Martissant wurden laut Angaben der Organisation bereits zwischen 300 und 350 Menschen behandelt. Im Pachot Rehabilitaionszentrum werden demnach weitere 300 bis 400 Patienten betreut. In einer Zeltklinik neben dem Büro von Ärzte ohne Grenzen in dem Stadtteil Petionville sind mindestens 200 verletzte Menschen untergebracht. Andere werden im Krankenhaus Maternité Solidarité versorgt, das schwer beschädigt wurde. (red, derStandard.at, 13. Jänner 2009)