Santiago/Wien - Als "feurig" beschrieben chilenische Medien die TV-Konfrontation, die am Dienstagabend den Höhepunkt des Präsidentschaftswahlkampfes bildete. Von sechs Journalisten befragt, stellte sich der Christdemokrat Eduardo Frei als "Kandidat des Fortschritts" dar, der für soziale Sicherheit eintritt und gesellschaftspolitisch beispielsweise die "Pille danach" verteidigt. Er versuchte damit, über die Christ- und Sozialdemokraten hinaus, auch Kommunisten anzusprechen sowie Anhänger des unabhängigen Linken Marco Enríquez-Ominami, der im ersten Wahlgang 20 Prozent der Stimmen erhielt.

Dem Rechtskandidaten Sebastián Piñera warf er vor, dass er ehemalige Minister Pinochets wieder in die Regierung holen wolle. (Dessen Bruder José hatte während der Diktatur als Arbeitsminister in Chile vor allen anderen Ländern das Pensionssystem privatisiert.) In der TV-Debatte versprach Piñera, dass er Ministern Pinochets keine Ämter geben werde, meinte aber, dass die Arbeit für dessen Regierung keine "Sünde" gewesen sei. Gleichzeitig versicherte er Frei seines Mitgefühls, weil dessen Vater unter Pinochet ermordet worden war. Sein Gegenkandidat erwiderte, dass in dieses kürzlich von einem Gericht bestätigte Verbrechen nie Licht gekommen wäre, wenn sich Piñera mit seiner Schwamm-drüber-Politik durchgesetzt hätte.

Piñera kündigte die Schaffung von einer Million Jobs an und warf der Mitte-links-Koalition nach 20 Jahren an der Macht Ermüdung vor. Trotzdem glaubte das Lager Freis nach dem TV-Duell wieder eher an dessen Sieg. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2010)