Wien - Die US-Großbank Goldman Sachs hat in einer Nachricht an ihre Kunden eingeräumt, dass das Geldinstitut seine Klienten gegenüber den Bank-eigenen Händlern benachteiligt hat. Konkret geht es um Spekulationsvorschläge (die Trading Ideas), die zunächst eigenen Händlern und erst später Klienten mitgeteilt wurden (zumeist institutionelle Anleger wie Hedge- oder Pensionsfonds). "Wir handeln und halten existierende Positionen, die auf Trading Ideas basieren, bevor wir Ihnen diese Ideen mitgeteilt haben", heißt es in der Mail von Thomas C. Mazarakis, Chef der Fundamental Strategies bei Goldman Sachs.

Die Bank bestätigte damit Vorwürfe, dass sie über die eigene Handelsabteilung, die auf Rechnung des Instituts spekuliert (Proprietary Trading), in Interessenkonflikte mit ihren Klienten kommt. Mehr noch: Die Praxis des klassischen Front Running (die Bank kauft Wertpapiere, bevor sie dieselben Papiere ihren Kunden empfiehlt) wäre illegal. Goldman Sachs betont jedoch, dass Kunden die Trading Ideas nicht als "objektive oder unabhängige Untersuchungen" verstehen sollen.

Das Proprietary Trading gilt als zentrale Profitquelle der ehemaligen Investmentbank und als wichtiger Pfeiler in der Unternehmensstruktur. CEO Lloyd Blankfein ist aus diesem Teil der Bank aufgestiegen. Dort werden mit Kapital der Bank Wetten auf verschiedenen Märkten eingegangen, nicht wie sonst im Auftrag des Kunden. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.01.2009)