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An der Wallstreet gilt "Eat what you kill": der Gewinn gehört dem Spekulanten. Die Devise stammt aus dem Jagdjargon und bedeutet, man soll nur töten, was man auch essen kann.

Foto: AP/Richard Drew

"Aus der jetzigen Krise wird ein größeres Vermögen hervorgehen, als jenes, das nach 2000 aus der Technologieblase lukriert wurde", sagt ein nunmehr arbeitsloser Wallstreet-Banker. Der Lerneffekt tendiert gegen Null. "Viel mehr Regulierungen wären nötig, wir haben immer noch alle Instrumente um dorthin zu kommen, wo der Markt war." Alleine drei Milliarden würden nur darauf warten, wieder an der Börse gehandelt zu werden.

Das Wallstreet-Klischee

Der Lebensstil der Banker bleibt also trotz Krise gleich: Teure Uhren, schicke Anzüge und gigantische Bonuszahlungen bestimmen weiter das Erscheinungsbild an der größten Wertpapierbörse der Welt. Nur der Kokainkonsum ist zurückgegangen und Frauen geben sich im Netz gegenseitig Tipps, um an die Banker zu kommen, die ihre Shoppingtouren noch vermögen. Insofern spielt das Ö1-Hörbild "Eat what you kill. Das Wallstreet Prinzip" von Anna Katharina Laggner mit allen erdenklichen Klischees über die New Yorker Finanzwelt.

Doch die Gespräche mit entlassenen Bankern über Arbeitseinstellung, Verantwortungsbewusstsein und die Schuldfrage lassen tiefer blicken, als es die ersten Bekundungen über frühere Einkommen, Bonuszahlungen und den Arbeitsantrieb vermuten lassen. Ein deutliches Sittenbild zeichnet sich ab: Schuldbewusstsein gibt es nicht. Mit einer 6.000 Dollar Uhr, versucht man Bescheidenheit zu zeigen und der Umzug von 1200 auf 350 Quadratmetern wird zur besten Sache der Welt erklärt.

Die erste Million mit 25

Den Job, den alle hassten aber wegen dem Geld trotzdem machten, gibt es nach 65.000 Kündigungen und Entlassungen nicht mehr. Trotzdem bleibt alles beim Alten, der Traum der ersten Million mit 25 wird weiter gelebt. So zeigt das Radiofeature anhand persönlicher Geschichten von gekündigten Wallstreet-Bankern einmal mehr: Das System ist das Problem. Und nur das System, denn das eignet sich als hervorragende Ausrede. (krm, derStandard.at, 14.01.2010)