Peugeot goes "Gaston Martin"? Im Design will Peugeot offenbar einen radikalen Schnitt machen. Wohin, soll unter anderem die aufregende Hybrid-Roadster-Coupé-Studie SR1 zeigen.

Foto: Werk

Der E-Vier-Sitzer BB1 ...

Foto: Werk

... und der Hybrid-Zwei-Sitzer HYbrid3. Beide kommen: so, oder so ähnlich.

Foto: Werk

Der aufpolierte Löwe mit dem neuen Schriftzug.

Foto: Peugeot

Die Bühne ist wie eine lichtzerrissene Disco in einem Ameisenhaufen. Ein junger Adonis wheelt mit einem Mountainbike quer darüber, während ein Beau mit einem Moped Kreise fährt. Dazwischen sucht sich eine junge Dame auf einem Trekkingrad ihren Weg. Von hinten kommt ein überdimensionaler Würfel, aus dem dann vier Leute schlüpfen. Das Licht hört auf zu zucken, fokussiert auf die punktgenau abgestellten Peugeots. Rechts der Elektroroller E-Vivacity, links das Elektroauto BB1, das aus zwei Rollern und einem Auto gekreuzt wurde. Dazwischen die Peugeot-Fahrräder. Nur eine Pfeffermühle fehlt.

Wie lautlos diese E-Fahrzeuge fahren, konnte bei dem Lärm niemand hören, doch man konnte die Konzeptstudien fahren sehen. Der E-Vivacity kommt als Serienmodell 2011 auf den Markt und konkurriert mit Mopedrollern. Der zweieinhalb Meter lange BB1 wurde, als E-Konzeptauto für vier Personen, in den vergangenen Wochen so begeistert aufgenommen, dass er, zumindest so ähnlich, in den nächsten Jahren gebaut wird.

Der Lärm hebt wieder an, die Fahrzeuge ab. Neue Gefährte erobern die Bühne: Links dreht sich der iOn, das erste reine Elektroauto eines europäischen Herstellers (und ident mit Mitsubishis MiEV). Rechts steht der HYbrid3 Evolution. Ein Hybrid-Roller mit drei angetriebenen Rädern. Vorn ziehen zwei Radnabenmotoren, hinten schiebt ein Verbrennungsmotor. Die Aufhängung der Vorderräder kennen wir aus dem Piaggio-Konzern. Der viersitzige iOn, ein vollwertiges Stadtauto, kommt Ende 2010, der HYbrid3 hat noch kein Erscheinungsdatum. Der Weg ist aber klar und das Ziel für Peugeot definiert: "100 Prozent Elektro".

Die Bühne wird geleert. Eine Frau mit hohen Stöckeln und noch längeren Beinen betritt die Szene. Sie schaut streng, und ihre Haare sind so fest zu einem Zopf geschnürt, dass man die Haarwurzeln im ganzen Saal schreien hört. Trotz des Lärms. In der Hand hält sie eine Lupe. Mit der wird sie bald das Logo des RCZ, der gerade auf die Bühne fährt, luftstreicheln. Auf der Leinwand über ihr erscheint in einem runden Fenster der neue Peugeot-Löwe. Er besteht aus glänzendem und gebürstetem Metall. Der neue Löwe hat keinen blauen Hintergrund mehr. Die Schrift ist moderner, das aktuelle Peugeot-Blau dunkler.

Das Highlight hat sich Peugeot für den Schluss aufbehalten. Ein Konzeptauto erobert die Bühne. Die Spannung bei den mehr als 1000 anwesenden Journalisten ist greifbar. "Was ist denn das Geiles!", hört man manche seufzen.

Der SR1 ist ein Hybrid-Roadster mit Vierradlenkung und Allradantrieb. Ein 1,6-Liter-Turbo-Benziner treibt die Vorder-, ein E-Motor die Hinterräder an. Gemeinsam bringen sie es im 1500 Kilogramm schweren SR1 auf 313 PS bei einem Spritverbrauch von 4,9 Liter.
Der SR1 ist Designvorlage für alle neuen Peugeots, die noch kommen. Und unter uns: Das war jetzt aber auch schon höchste Zeit. (Guido Gluschitsch/DER STANDARD/Automobil/15.1.2010)