Nicht jedes Wochenende hält für das Volk ein Lehrstück in angewandter Demokratie mit österreichischer Duftnote bereit, wie es der Parteitag der artreinen Vereinsmeier sein wird. Der Geist Jörg Haiders, wenn auch nicht unbedingt der seiner Witwe, wird über den Putschisten schweben, die nun gegen den Putsch von Knittelfeld putschen, und wenn es sich dabei um dieselben Personen handelt - auch wurscht. Denn besagter Geist wird auch von denen beansprucht, die sich als dessen Kärntner Pächter wähnen, und einem Wiener, möge er noch so gebräunt auftreten, den Zugriff auf den Futtertrog lokaler Parteienförderung nicht gönnen wollen. Programmatische Unterschiede oder solche der Gesinnung, sieht man von meist vorübergehenden persönlichen Animositäten ab, spielen dabei kaum eine Rolle, weshalb der neue Führer auch keine Probleme hatte, im ORF den tieferen Sinn der angestrebten Fusion zu erklären: "Es gibt eine Wahlpartei, die zu einer Wahl antritt. Und es gibt unterschiedliche Parteien. Das heißt ja nicht, dass jede Partei zu einer Wahl antritt."

Alles klar? Der Hintergedanke dieses luziden Konzepts hat sich rasch als zu vordergründig erwiesen, um jene Früchte aus Klub- und eventuell anderen Förderungen aus öffentlichen Mitteln abzuwerfen, die man dabei im Auge hatte. Einer Partei der Anständigen - welche aus dem Angebot es nun immer treffen mag - kann das nur recht sein, zumal sie um andere Investoren umso weniger verlegen ist, als ihr Verlegenheit in Sachen der Finanzierung noch fremder ist als bei der Direktverteilung an das Volk samt Handschlag.

So viel soziale Hingabe sogar an juvenile Führerscheinkandidaten will finanziert sein, weshalb der zum Kärntner Satrapen Straches aufsteigende Uwe Scheuch nun zu Unrecht ein Opfer seiner Russophilie wurde. Gut, er weiß von einem Gespräch, das geführt zu haben er sich kaum erinnert, böse Menschen hätten es aus dem Zusammenhang gerissen; er steht zu jedem seiner darin gesprochenen Worte, hält ihre Wiederholung durch andere aber für eine Schmutzkübelkampagne. Als Idealist Kärntner Prägung geht es ihm wie schon Jörg Haider - er wird halt so viel verkannt.

Sicher, den Wunsch, dass von einer Investition "auch ein bisschen was für die positive Zukunft des BZÖ überbleibt", würde er vor dem Parteitag anders formulieren, aber dass für die Partei nur "zwischen fünf und zehn Prozent, würde ich einmal sagen" abfallen sollten, zeugt von einer Bescheidenheit, die es geboten erscheinen lässt, dem Spender die österreichische Staatsbürgerschaft draufzulegen. Die ist, "no na net, part of the game." Gelebte Ausländerfreundlichkeit: Man spricht nicht nur Englisch, ein Investor in die FPK müsste selbst als Russe keinen Tag auf der Saualm verbringen.

Unter normalen Umständen dürften Protagonisten eines derartigen Politikverständnisses bei Wahlen keine fünf Prozent einfahren. Das wirklich Üble ist, dass ÖVP und SPÖ, statt sich eindeutig abzugrenzen, part of the game sind: Die ÖVP, indem sie in diesem rechten Sumpf eine Koalitionsoption sieht, die SPÖ, indem sich deren Vorsitzender zwar verbal distanziert, aber zulässt, dass Länderfunktionäre sich darin suhlen. (Günter Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2010)