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Krank von innen: In Eisbären potenzieren sich Quecksilber und andere Gifte in einem lebensbedrohlichen Maß.

Foto: AP/Mary Sage, Joseph Napaaqtuq Sage

Roskilde - Es ist auch schon wieder genau 30 Jahre her, dass die Schweizer Band Grauzone den Wunsch äußerte, ein Eisbär sein zu wollen. Angesichts der jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die vielfältigen Bedrohungen der weißen Riesen möchte man davon dann aber doch lieber Abstand nehmen.

Das Problem ist nämlich nicht allein das Eis, das den arktischen Raubtieren aufgrund der Klimaerwärmung unter den Pfoten wegschmilzt. Wie der dänische Forscher Christian Sonne von der Universität Aarhus nun herausgefunden hat, sammeln sich in den Eisbären viele Umweltgifte an, deren toxische Wirkung sich im Körper der Tiere quasi potenziert.

Insbesondere handelt es sich dabei um Quecksilber, Chlorkohlenwasserstoffe und andere zum Teil fettlösliche Stoffe. Diese von Menschen gemachten Gifte reichern sich in der Nahrungskette an, gelangen so bis in die Arktis und landen schließlich im "Endlager Eisbär", so Sonne im Fachblatt "Environment International".

Das hatte man in dieser Eindeutigkeit noch nicht nachgewiesen. Noch schlimmer aber wiegt, dass diese Gifte im Körper der Bären gleichsam zusammenwirken und so für Schädigungen der inneren Organe, der Knochen und des Immunsystems sorgen. Der Klimawandel ist die Draufgabe: Weniger Eis bedeutet weniger Nahrung, deshalb gelangt das Gift aus dem schwindenden Fett der Bären ins Blut und belastet diese zusätzlich. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. Jänner 2010)