Grenzgängerin zwischen den Sparten: Mieze Medusa, die am Freitag bei Art Visuals & Poetry auftritt.

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Im Kulturbetrieb gerät Literaturpräsentation meist zur Soloshow, mitunter zwecks Gespräch oder Übersetzung zur Doppelconference. Dabei gibt es gerade im Bereich der Experimental-, Avantgarde- und Undergroundliteratur etliche Beispiele kollektiver Präsentationsformen mit Happeningcharakter. Etwa Auftritte der Beat Generation oder die "International Poetry Incarnations" 1965 und 1966 in der Londoner Royal Albert Hall.

In den 1960ern war auch die Verbindung von Rockmusik und Bildprojektion in Form psychedelischer Lightshows bei Live-Konzerten angesagt. Bausteine einer synästhetischen Kunst, in deren Tradition das Multimedia-Projekt Art Visuals & Poetry zu verorten ist.

Bei der Salzburg-Premiere empfängt Initiatorin Sigrun Höllrigl fünf Autoren sowie ein VJ-Team und einen DJ. Es geht um sinnliche Erweiterung von Literatur, um die Verschränkung mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen, was natürlich nicht ohne Auswirkung auf Form und Inhalt bleibt. Als Grenzgängerin zwischen den Sparten hat Mieze Medusa (alias Doris Mitterbacher) bereits Erfahrungen im HipHop wie mit Slam Poetry.

Letztere kennt auch René Bauer, Mitbegründer der Linzer Lesebühne und "Textsuppe"-Blogger. Gleichfalls mit Musik und Sprache arbeitet die Wienerin Sophie Anna Reyer, der Austro-Amerikaner Noah B. Huber teilte sich mit US-HipHop-Poet Saul Williams die Bühne. Weiters tritt heute Jungautorin Cornelia Travnicek auf. Schauen und hören Sie sich das an. (Gerhard Dorfi/ DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2010)