So friedlich kann ein so schlimmes Auto wirken. Gleich
nach dem Fototermin war der Schnee geschmolzen - der X5 M ist ein Klima-Erwärmer.

Foto: Fischer
Foto: Fischer
Grafik: STANDARD

Wie viel Kraft ist notwendig, um mehr als zwei Tonnen Auto wie eine Kanonenkugel zu beschleunigen? BMW hält exakt 555 PS für ausreichend. Dagegen lässt sich schwer etwas sagen. Wer im X5 M gesessen ist und einmal blöd auf das Gaspedal gelatscht ist, der hat erfahren, wie es ist, 2380 Kilogramm plus die Leichtigkeit des eigenen Seins aus dem Lauf zu schießen. Rasant.

Die Werte auf dem Papier sind auch die eines Sportwagens. In 4,7 Sekunden auf hundert. In der ordentlichen M-Version 275 km/h Spitze - ein Batzen Drehmoment von 680 Newtonmeter. Wären da nicht die Dimensionen. Das Gewicht wurde schon erwähnt. Dann noch fast fünf Meter lang. Zwei Meter breit. Knapp 1,80 groß. Also schon richtig ausgewachsen.

An der Tankstelle ergibt das folgende Situation: Es läuft und läuft und läuft. Schluck. Hört erst bei 91,62 Euro auf. (Der komplette Tankinhalt beim X5 macht 85 Liter aus.) Dann setzt man sich hinein, und der Bordcomputer zeigt dennoch nur eine Reichweite von 500 Kilometern an.

Weil der Verbrauch.

Ist schon ordentlich.

Wenn auf dem Papier 19 Liter für die Stadt stehen, dann kann man rechnen, dass die Realität doch deutlich über den zwanzig Litern liegt. Und das noch ohne blöd fahren, von wegen M und 555 PS, und dem blöden Porsche da muss man es auch noch zeigen.

Um es ganz offen zu sagen: Dieses Auto ist ökologisch eine Katastrophe. Ein Luxus, der in eine Richtung ausfranst, die man nicht mehr sympathisch finden muss.

Wenn man drinnen sitzt und einen das nichts schert, kann man die 555 PS und den damit verbundenen Kraftschub natürlich sehr lustig finden. Aber auch das nützt sich bald einmal ab. Der X5 ist einfach zu groß, als dass man ihn wirklich sportlich fahren könnte. Er gehört fast schon in die Kategorie Lastwagen. Er ist schwer und behäbig. Um die Kurven muss man ihn prügeln. Oder ihn ausgiebig darum bitten. Die 555 PS sind fürs Geradeausfahren. Fürs Draufsteigen und am Lenkrad anhalten.

Und dafür ist in der Stadt ja nicht rasend viel Platz. Und ehrlich: Auch auf dem Land hat man gleich alle Geschwindigkeitslimits überschritten. In diesem Fall sogar in Sekundenschnelle.

Sonst muss man sagen: BMW fühlt sich schon sehr gut an. Wenn man einmal herausgefunden hat, wie sich ein anderer Radiosender einstellen lässt, lässt sich dieses Auto wunderbar leicht und logisch bedienen, ist funktionell und logisch, greift sich dabei schön an. Besser als bei der Konkurrenz. Das liegt natürlich auch an der Komplettausstattung, auf die wir im Testwagen zurückgreifen konnten. Das steigert den Preis gleich einmal um 20.000.

Damit wären wir auf 150.000 Euro. Ein stolzer Preis. Aber bei 555 PS in einem SUV redet ohnedies niemand mehr von Vernunft. Von Spaß ja. Von Sparen nein. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/15.1.2010)