Bild nicht mehr verfügbar.

Scott Roeder (Bild) hat zugegeben, den Arzt George Tiller getötet zu haben - als "gerechtfertigte Maßnahme" zum Schutz Ungeborener.

Foto: AP/Jaime Oppenheime

Wichita - Sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf US-Abtreibungsarzt George Tiller begann am Mittwoch der Mordprozess gegen den geständigen Täter. Der 51-jährige Angeklagte hat sich jedoch für nicht schuldig erklärt, da seine Tat eine gerechtfertigte Maßnahme zum Schutz ungeborener Kinder sei. Der zuständige Bezirksrichter Warren Wilbert in Wichita im US-Bundesstaat Kansas hat entschieden, dass die Verteidigung den Fall als vorsätzliche Tötung darstellen darf. Ursprünglich war der Prozessbeginn für Montag geplant, aufgrund einer Prüfung der Geschworenen-Liste wurde er dann allerdings auf Mittwoch verschoben.

Der Tatvorwurf wird vom Gesetz in Kansas definiert als "unbilliger, aber ernsthafter Glaube, dass die Umstände tödliche Gewalt rechtfertigten". Der Angeklagte hat erklärt, er habe die Tat begangen, "weil das Leben ungeborener Kinder in akuter Gefahr war".

Tiller nahm Spätabbrüche vor

Der prominente Abtreibungsarzt Tiller wurde am 31. Mai auf dem Weg zur Kirche in Wichita erschossen. Die Klinik des 67-Jährigen war eine von nur drei in den USA, in denen Schwangerschaftsabbrüche nach der 21. Woche durchgeführt werden.

Tiller war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen und Protestaktionen gewesen. 1993 schoss ihm ein Angreifer in beide Arme, 1985 explodierte ein Sprengsatz in seinem Krankenhaus. Die Klinik Women's Health Care Services war wegen zahlreicher Drohungen, Übergriffe und Anschlägen unter anderem mit kugelsicheren Scheiben gesichert. Die Abtreibungsdebatte in den USA wird immer wieder von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet.

Mord oder vorsätzliche Tötung?

"Dies wird kein Prozess über das Thema Abtreibung", sagte Richter Wilbert am Freitag. Er hat erklärt, er werde alle Beweise und Argumente der Verteidigung prüfen und dann entscheiden, ob er es den Geschworenen freistellt, eine Verurteilung des 51-Jährigen wegen eines weniger schwerwiegenden Tatvorwurfs als Mord in Erwägung zu ziehen. Zugleich machte er deutlich, dass es für die VerteidigerInnen schwer werden dürfte zu zeigen, dass der Angeklagte ernsthaft geglaubt habe, zur Verteidigung des Lebens Dritter tödliche Gewalt einsetzen zu müssen. Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Beschuldigten lebenslange Haft, auf vorsätzliche Tötung stehen etwa fünf Jahre Gefängnis. (APA)