Im Zuge der am Donnerstag gescheiterten Verhandlungen um einen Vertrag mit dem Pay-TV-Anbieter Sky sind die Differenzen innerhalb der österreichischen Fußball-Bundesliga wieder einmal sichtbar geworden. Gravierende Meinungsverschiedenheiten hatte es bereits bei der geplatzten Aufstockung der Ersten Liga und der Wahl von Hans Rinner zum Liga-Präsidenten gegeben. Die Geschehnisse rund um den nicht zustande gekommenen Kontrakt mit Sky lieferten nun einen weiteren Beitrag zur negativen Außendarstellung.

Von einer Liga-Spaltung will Rinner nichts wissen, ein Imageschaden sei aber nicht von der Hand zu weisen. "Dass wir uns zu einem medialen Gemetzel haben hinreißen lassen, kann man durchaus als unprofessionell bezeichnen", gab der Bundesliga-Chef zu. Dennoch sei das Verhältnis zu Rapid nicht nachhaltig gestört. "In der Sache selbst gibt es keine Probleme. Ich habe Verständnis für die Argumente von Rapid-Präsident Rudolf Edlinger."

"Rechtliche Grauzone"

Edlinger hatte seine Ablehnung des Pay-TV-Vertrags unter anderem mit der reduzierten Anzahl von Live-Spielen im Free-TV begründet. Die Drohung der Eigenvermarktung und der Klage, weil die Pay-TV-Rechte nicht öffentlich ausgeschrieben worden waren, tat das Übrige. "Die Vorgehensweise, dass man vor der Ausschreibung mit einem Pay-TV-Sender abschließt, ist eine rechtliche Grauzone", sagte Rinner.

Ob es möglich gewesen wäre, die vereinbarte Zusammenarbeit mit Sky auf der außerordentlichen Generalversammlung mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit zu beschließen, wisse er nicht. "Dazu gibt es unterschiedliche juristische Meinungen." Deswegen habe er großen Wert auf Einstimmigkeit unter den Club-Präsidenten gelegt, die freilich nicht gegeben war. "Entweder, alle 20 Vereine wollen den gleichen Weg gehen oder nicht. Und wenn nicht, muss man eben nach einem anderen Weg suchen."

"Kein Zeitdruck"

Dass eine andere Lösung möglicherweise wieder unzufriedene Vereine und in der Folge die nächste Eigenvermarktungs-Drohung zur Folge hätte, glaubt Rinner nicht. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem steht in den Statuten, dass die TV-Vermarktungsrechte der Clubs an die Bundesliga abgetreten werden."

Das Platzen des Sky-Deals, der kolportierte neun Millionen Euro im Jahr gebracht hätte, sieht Rinner nicht tragisch. "Im Grunde haben wir nichts verloren und auch keinen Zeitdruck", sagte der Sturm-Graz-Präsident mit Blick auf das im Juli beginnende Spieljahr 2010/11, für das seit (dem heutigen) Freitag bis 12. Februar die Pay- und Free-TV-Rechte ausgeschrieben sind. "Ich gehe davon aus, dass alle Sender Interesse haben." (APA)