Die US-Börsen können - trotz einiger herber Enttäuschungen - weiter zulegen. Der Dow Jones steigt 1,01 % auf 10.681, während der breite S&P 500 0,75% auf 1.146 klettert. Der Nasdaq Composite tendiert 0,30 % fester. Relative Stärke zeigten die Sektoren Industrie (+3,71%), Healthcare (+1,77%) sowie die Financials (+1,11%), während Telekom- und Energietitel schwächer tendierten.

Die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten letzten Freitag lieferten eine herbe Enttäuschung. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft ging um 85.000 Personen gegenüber dem Vormonat zurück, die Arbeitslosenquote lag bei 10%. Auch die Einzelhandelsumsätze haben sich - entgegen der Konsensschätzungen - reduziert. Die Erlöse fielen um 0,3%, Volkswirte waren von einer Steigerung in Höhe von 0,5% ausgegangen. Das Handelsbilanzdefizit hat sich um knapp 10% auf USD 36,4 Mrd. ausgeweitet. Die Exporte stiegen um 0,9%, die Importe um 2,6%. Das Beige Book der Federal Reserve zeigt eine leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in 10 der insgesamt 12 Fed-Distrikte. Besorgniserregend entwickeln sich die Gewerbe- und Büroimmobilien in praktisch allen Bezirken.

Am Montag läutete Aluminiumriese Alcoa die Berichtssaison ein. Im Q4 fiel ein Nettoverlust in Höhe von USD 277 Mio. bzw. 28 Cents/Aktie an, der Umsatz sank um 4%. Im Vorjahreszeitraum hatte man noch USD 1,2 Mrd. an Verlust ausgewiesen, der Konsens zeigte sich trotzdem enttäuscht, nachdem das bereinigte Ergebnis von 1 Cent deutlich an den Schätzungen in Höhe von 6 Cents je Aktie vorbeischrammte. Der Aktienkurs reagiert mit einem Wochenminus von knapp 7 %.

UPS implementiert weitere rigorose Einsparungsmaßnahmen. Für das Q4 rechnet man nun mit einem EPS von 73-75 Cents, statt zuvor 58-65 Cents. Best Buy meldete für Dezember einen Anstieg der Same-Store Sales in Höhe von 8,2%. Der Umsatz kletterte um 13% auf USD 8,5 Mrd. Die Gewinnprognose wurde bestätigt. Spielehersteller Electronic Arts schockte mit einer Gewinnwarnung. Das Weihnachtsgeschäft sei schwach ausgefallen. Anteilsscheine von Merck zeigen weitere relative Stärke. Man erwarte bis 2015 überdurchschnittliches Wachstum, aufgrund der prall gefüllten Produktpipeline werde man deutlich Marktanteile zugewinnen. Zahlreiche Analysten stuften die Aktie hoch. Target hat indes das Aktienrückkaufprogramm im Gesamtvolumen von USD 10 Mrd. wieder aufgenommen.

Cadbury wird nun auch von Hershey umworben

Kraft Foods könnte in der Übernahmeschlacht um Cadbury nun die Barkomponente des Übernahmeangebots weiter anheben. Bis 19. Jänner muss ein endgültiges Angebot gelegt werden, aktuell bietet Kraft GBP 10,4 Mrd. in bar und eigenen Aktien. Cadbury hat das feindliche Übernahmeangebot als zu niedrig und inakzeptabel zurückgewiesen. Zudem konnte Kraft seine Gewinnprognose für das abgelaufene Jahr anheben. Um Hershey dürfte sich nun jedoch eine Übernahmeschlacht abzeichnen, nun bereitet auch der US-Schokoladenhersteller Hershey ein Gegenangebot vor.

Google überlegt den Ausstieg aus dem chinesischen Markt, nachdem eine gezielte Attacke von Hackern gemeldet wurde. Insbesondere wurden Gmail-Konten von Menschenrechtsaktivisten ausspioniert. Aktuell werden lediglich USD 200 Mio. (bei einem Gesamtumsatz in Höhe von USD 20 Mrd.) in China erwirtschaftet, der Ergebnisbeitrag ist gering. Der rasch wachsende chinesische Internetmarkt (aktuell 340 Mio. User) zählt jedoch zu den langfristig attraktivsten Märkten. Google hat einen Marktanteil von knapp 36%, Nr. 1 bleibt Baidu (knapp 60%). Größter Profiteur der Meldung war ganz klar der chinesische Konkurrent Baidu.com, die Aktie haussiert 14,7%.

Intel konnte die Erwartungen klar übertreffen, der Nettogewinn im Q4 erreichte USD 2,3 Mrd bzw. 40 Cents/Aktie. Dies entspricht einem Gewinnsprung von knapp 900%. Der Gewinn je Aktie stieg um 206 % auf 55 Cents. Die Erlöse kletterten um 29% auf USD 10,6 Mrd. Auch die außergerichtliche Einigung in Höhe von USD 1,25 Mrd. mit Konkurrent AMD konnte das Zahlenwerk kaum trüben. Als wichtiger Gradmesser für die IT-Branche könnten die Intel-Zahlen Signalwirkung für die gesamte Technologiebranche haben.

Homebuilder weiter im Aufwind

Weiterhin positive Meldungen gibt es seitens der Homebuilder. So weist KB Home im Q4 zum ersten Mal seit 2007 einen Gewinn aus. Zwar ist der Großteil auf steuerliche Sondereinnahmen in Höhe von USD 192 Mio. zurückzuführen, trotzdem lässt sich eine klare Aufwärtstendenz innerhalb der Branche erkennen. Auch Konkurrent Lennar meldete steigende Auftragseingänge, Pulte Homes und D.R. Horton zeigen sich für 2010 nun deutlich optimistischer. Allerdings läuft im April das Regierungsprogramm für erstmalige Hauskäufer (USD 8.000 Steuergutschrift) aus, das für eine klare Stabilisierung am Häusermarkt sorgte. In der nächsten Handelswoche erwarten wir zahlreiche Quartalszahlen. So melden ua. Citigroup, Bank of America, ConocoPhillips, Morgan Stanley, US Bancorp, Wells Fargo, American Express, Google, Goldman Sachs, General Electric und McDonald's
Quartalszahlen. Auch die Zahlen vom Häusermarkt und die Frühindikatoren sollten für Impulse sorgen.

Wir rechnen mit einer weiterhin recht positiven Berichtssaison, zumindest oberflächlich betrachtet. Die Zahlen für das Q4 sollten prozentual deutlich Gewinnsteigerungen ausweisen, dies ist jedoch in erster Linie auf den Basiseffekt zurückzuführen. Der Konsens rechnet mit 60% Gewinnwachstum, ähnlich stark wuchsen die Gewinne zuletzt 1993. Für den S&P500 errechnet sich absolut ein erwarteter Gewinn in Höhe von ca. USD 150 Mrd. Dies entspricht einem ähnlichen Wert wie 2005. Fraglich bleibt die Entwicklung im 2. Halbjahr. Sobald die Steuergutschriften für Immobilien-Erstkäufer, die Liquiditätsflut der Fed sowie die zahlreichen anderen Stimuli auslaufen (und nicht ersetzt werden) dürfte die Feuerprobe für die USKonjunktur anstehen.

Das erste Quartal sollte jedoch weiter positiv verlaufen, die Märkte profitieren von der enorm hohen Liquidität und dem sich aufhellenden Sentiment. Anhand der mehrheitlich negativen Konjunkturdaten und der positiven Reaktion darauf, lässt sich die inhärente Stärke des Marktes erkennen. Auch das technische Umfeld (Marktbreite, Volumensindikatoren sowie die meisten Oszillatoren) stimmen uns für die nächsten Wochen zuversichtlich.