Traurig ist das. Wie soll sich der durchschnittlich interessierte Bürger im Dschungel der heimischen Medienwelt zurechtfinden, wenn es ihm so schwer gemacht wird? An welchen Maßstäben der Qualität soll er sich orientieren, wenn sie so heftig schwanken? Kaum ist "Der österreichische Journalist" mit seiner Enthüllung Die Journalisten des Jahres an die Öffentlichkeit getreten, folgte ihm der "Extradienst" unter dem Motto Von Champions & Schwammerln mit seiner jährlichen Aktion Kommunikator, diesmal eben 2009. Doch welch ein Unterschied, nicht nur in der Aufbereitung des Materials, sondern ebenso in den Ergebnissen! Das lag auch daran, dass es der "Extradienst" nicht unter der magischen Zahl von 777 Kommunikatoren tut, unter denen sich vom ORF-Generaldirektor über Chef- und andere Redakteure bis zum PR-Guru und Medienmanager tummelt, was hier kommuniziert, während der "Journalist" sich auf das schreiberische Element beschränkte.

Dennoch: Statt Sicherheit zu finden, wird der Kunde nur in seinen Zweifeln bestärkt, ob es in dieser Branche so etwas wie eine objektive Beurteilung von Leistung geben kann oder ob nicht Interessen der jeweiligen Veranstalter, natürlich garantiert unbeabsichtigt, hineinspielen könnten. Da kürt der "Journalist", der immerhin als vom Fach gilt, Herbert Lackner von "Profil" zum Journalisten des Jahres. Der kann es sicher verwinden, dass der "Extradienst" als Kommunikator Nummer 1 Alexander Wrabetz - Der Hero - führt, aber dass er selber innerhalb weniger Wochen von Platz 1 im "Journalisten" auf Platz 71 im "Extradienst" abstürzt und damit weit hinter Uschi Fellner ("Österreich", Platz 25), Euke Frank "Woman", 28) und andere, könnte ihm zu denken geben.

Dass "Die Presse am Sonntag" laut "Journalist" mit einem internationalen Award überschüttet wurde, gilt im "Extradienst" wenig. Der Chefredakteur bringt es wenigstens auf Rang 17, die beiden Koordinatoren Rainer Nowak und Christian Ultsch nicht einmal unter ferner liefen - von 777. Uschi Fellner erhielt im "Journalist" immerhin einen Sonderpreis - für soziales Engagement -, ebenso wie Gerti Senger, deren Verdienste um die zwischenmenschliche Kommunikation jene der meisten der 777 Kommunikatoren ohne jeden Zweifel überragen - im "Extradienst" keine Erwähnung.

Wirklich erschütternd aber der Abstieg von Hans Dichand als Kommunikator. Vorvoriges Jahr im "Extradienst" Nummer 1, 2009 nur noch Platz 12. Was hat er plötzlich so anders oder gar falsch gemacht? Klar, wenn jedes Jahr gerankt wird, muss es Abwechslung geben, sonst wird es fad, und Wrabetz hat sich nicht nur mit Dominic Heinzls Einberufung qualitätsmäßig enorm profiliert. Aber den Alten aus familiären Gründen zurückzustufen kommt einer Abschiebung ins Ausgedinge ziemlich nahe.

Die Aufsteigerin des Jahres 2009 auf Platz 3 war nämlich - Heißa! Wer hätte das gedacht? - Eva Dichand, die langbeinige Investmentbankerin. Sie hat Ehegespons Christoph, sicherheitshalber auf Platz 18, und den greisen Schwiegervater abgehängt, obwohl der die Republik noch immer wie eine Kleinbahn-Anlage in seinem Wohnzimmer bespielt. Heuer ist er aus den Top-Ten rausgefallen. Im Fußball nennt man so etwas Schiedsrichterentscheidung. Ob einer im Abseits steht oder nicht: Schiedsrichterentscheidungen sind Tatsachenentscheidungen, ganz egal, ob einer die Republik noch immer wie eine Kleinbahn-Anlage in seinem Wohnzimmer bespielt oder auf eine Melange geht. Irgendwie dürften die Juroren meinen, dass in der Familie sie die Hosen anhat. Diese von Langbeinigkeit ungetrübte Meinung der Juroren lässt ihren Aufstieg eher gerechtfertigt erscheinen als seinen Abstieg, aber so ist es nun einmal im Fußball der Medienbranche.

Was Wolfgang Fellner Platz 2 gesichert hat, war die Schlacht seines Lebens. Er schlug sie als Kämpfer des Jahres und in der Charaktermaske eines Meisters des Unterspielens, der Verharmlosung, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Der Selbstvermarkter, der Eigendarsteller und Kryptomane spielt wie kein anderer vierhändig auf dem Klavier der Behübschung und Beschönung. Dass es bei "Österreich" um die Wurscht geht, weiß auch die kompetente Jury. Und gerade das "Wie" des sich stromlinienförmig fortbewegenden Wolfgang Fellner besticht, verzaubert und motiviert, ihm hohe Punkte zu geben.

Vielleicht sollte man den Informationswert solcher Rankings doch nicht unterschätzen. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 16./17.1.2010)