Ähnlichkeiten mit handelnden Personen sind durchaus nicht unerwünscht: "It takes a nation of male cheerleaders to lead the world...", eine Tuschzeichnung von Raymond Pettibon.

Foto: Galerie Meyer Kainer

Seitdem es schwer hip geworden ist, in der Mischung von High und Low Art comichafte Zeichnungen mit rätselhaften Texten zu kombinieren, hat sein unverwechselbarer, zuweilen grotesk-komischer Stil zig Nachahmer gefunden. Kein Problem für Raymond Pettibon, den manischen (Tusche-)Zeichner, der seit Jahren an einem verqueren Opus Magnum tüftelt, weiters Musik macht und seit kurzem auch Stücke schreibt. Vom latent aggressiven Bebildern von Sänger Henry Rollins/Black Flag intonierten "Drink! Drive! Kill!"-Attitüden ist Pettibon nun ein bisschen abgekommen. In Wien entstand eine großflächige Wandmalerei, die sehr persönlich auf die jüngste Außenpolitik seines Heimatlandes USA eingeht. Stark und virtuos, aber Pettibon verspricht mehr, wenn er in Rätseln spricht. (dok/DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2003)