Wien - "Das ist ein No-na-net-Vorschlag, der eigentlich ganz selbstverständlich sein sollte." Mit diesen Worten reagiert der Rektor der Montanuniversität Leoben, Wolfhard Wegscheider, auf den von Außenminister Michael Spindelegger (VP) im Standard-Interview präsentierten Vorstoß, dass ausländische Studierende, die in Österreich ihr Studium abschließen, auch hier arbeiten dürfen sollen. Es geht dabei um Nicht-EU-Bürger, also Studierende aus "Drittstaaten" , von denen jährlich an die 1000 ihr Studium abschließen.

Volkswirtschaftlich sei der Bleibe-Vorschlag "irrsinnig leicht zu verstehen" , sagt Wegscheider im Gespräch mit dem Standard, es wäre ein Schritt, um den "Braindrain", also die Abwanderung von Hochqualifizierten "in Staaten, die aufnahmefreundlicher sind als Österreich" , zum Beispiel Großbritannien, Kanada oder die USA, zu bremsen.

Gleichzeitig erinnert Wegscheider aber auch daran, dass viele universitäre Programme mit Ländern der Dritten Welt darauf ausgerichtet seien, "dass man mit diesen Ländern ein gewisses Capacity-Building betreibt" , ihnen also hilft, bestimmte Kompetenzen und Kenntnisse für die Entwicklung ihrer Länder zu erlangen.

Vor diesem Hintergrund fordert Wegscheider, den Blick auf ein anderes zentrales Problem zu wenden: "Das größte ungelöste Problem für uns ist, dass wir die Leute gar nicht hereinbekommen" , kritisiert der Chef der Montan-Uni: "Wie wir die Leute, die in ihren Ländern oft nicht die Möglichkeit zu einem Studium haben, in geregelter, geordneter Art hereinbekommen in österreichische Universitäten, ohne dass es als Schikane empfunden wird, ist ungelöst."

Es sei "unerträglich" , dass es immer wieder Fälle gebe, in denen ausländische Studierende bereits eine fixe Zusage für einen Studienplatz samt Betreuer in Österreich gehabt hätten, dann aber "monatelang keine Einreiseerlaubnis bekommen und wieder abgesprungen sind" .

Die Politik müsse endlich auch "Erleichterungen für einreisende Studierende" aus Drittstaaten schaffen, wie sie es - auf massiven Druck der Rektoren - bei den Forschern bereits getan hat, fordert Rektor Wegscheider. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 18. Jänner 2010)