Den Orangen wurde es am Sonntagmittag zu bunt: "Die mit Mediengerüchten betreffend eines Wechsels zur FPÖ beziehungsweise FPK konfrontierten BZÖ-Abgeordneten haben gegenüber der Führung des BZÖ dementiert, jemals diesbezüglich Gespräche mit FPÖ oder FPK geführt zu haben, und kritisieren, dass sie in den Medien überhaupt damit in Verbindung gebracht werden" , wurde parteiamtlich mitgeteilt.

Dass es so einer Mitteilung überhaupt bedarf, zeigt die Not, in der sich die vor fünf Jahren von der FPÖ abgespaltete Partei befindet. Ihre stärkste Landesgruppe ist zur alten Mutterpartei zurückgekehrt - und die hochmütigen Versicherungen von Heinz-Christian Strache und Uwe Scheuch, dass man sicher keine weiteren Überläufer aus der Konkursmasse des BZÖaufnehmen wolle, werden auch nicht mehr wert sein als die vorher von Strache vorgegebene Linie, dass man gar niemanden vom BZÖ haben wolle.

Natürlich sind BZÖ-Politiker und BZÖ-Wähler bei der FPÖ und der FPKwillkommen - vorausgesetzt, sie ordnen sich bedingungslos der jeweils aktuellen Parteilinie unter. Wie das geht, wurde auf dem Kärntner Parteitag am Samstag eindrucksvoll vorgeführt: Die Delegierungen wurden von der Parteiführung gesteuert, der Jubel an den Delegiertentischen ebenso. Die Pfiffe für die verbliebenen Andersdenkenden kamen dann ohnehin von selbst. Derartige Parteitagsregie ist sogar zu Jörg Haiders Zeiten schwergefallen - inzwischen beherrschen seine Erben sie perfekt.

Auch das Hohngelächter, das BZÖ-Bundesparteichef Josef Bucher erntete, als er sein rechtsliberales Politikmodell auf dem Parteitag zu verteidigen versuchte, kann den Redner nicht verwundert haben. Er ist ja selber Kärntner, er weiß um die Schwierigkeiten, auf die liberale Gesinnung gerade in seiner Heimat stößt.

Es waren schließlich die Kärntner, die vor einem Vierteljahrhundert den liberalen Kurs der FPÖ torpediert und schließlich gekippt haben. Bis in die 1980er-Jahre war die freiheitliche Bewegung, die Friedrich Peter aus dem Verband der Unabhängigen (VdU) herausgeschält und zur Partei geformt hatte, nämlich durchaus der deutschen FDP vergleichbar.

Ausgerechnet der ehemalige SS-Mann Peter hatte nämlich erkannt, dass sich das freiheitliche Lager nicht auf eine Verklärung des Nationalsozialismus einlassen dürfe. Seine Politik (und die seiner Nachfolger Götz, Schender und Steger) war darauf ausgerichtet, Zünglein an der Waage zu sein, um den Interessen des liberalen Bürgertums Gehör zu verschaffen und Gewicht zu verleihen. Deutschnationale Turner-Romantik war dabei nicht hinderlich - sie war aber kaum mehr als ein folkloristischer Aufputz für eine Politik, die die Reformen unter den SPÖ-Kanzlern Kreisky und Sinowatz unterstützt hat.

Die Kärntner hatten damit ihre liebe Not - auch weil sie wahrgenommen haben, dass eine kleine, liberal ausgerichtete Partei einer Regierung kaum einen in Wählerstimmen ummünzbaren Stempel aufdrücken kann. Weil die deutschen Liberalen das doch ab und zu schaffen, glaubt Josef Bucher, dass das auch hier funktionieren könnte. Die Parteibasis konnte er aber nicht überzeugen. Und um eine neue für die Nationalratswahl aufzubauen, hat er maximal dreieinhalb Jahre Zeit. (DER STANDARD-Printausgabe, 18. Jänner 2010)