Port-au-Prince - "Die Situation ist nach wie vor dramatisch, wenige Hilfsorganisationen sind vor Ort, noch immer sind hunderte Menschen unter den Trümmern begraben", schilderte Isabelle Jeanson, Einsatzmitarbeiterin bei "Ärzte ohne Grenzen" am Sonntag die Situation in Port-au-Prince. Sie habe in der "gesamten Stadt nicht mehr als vier oder fünf Baufahrzeuge gesehen, die versuchen, Menschen aus den Trümmern zu bergen". In manchen Stadtteilen sei der Geruch "fast unerträglich - dort wo Leichen in der Hitze verrotten, oder wo sich Menschen, die durch das Beben obdachlos geworden sind, zu Hunderten versammeln und es keinerlei sanitären Anlagen oder Latrinen gibt".

Aus Angst vor Nachbeben haben laut Jeanson nach wie vor viele Menschen Angst davor, in geschlossenen Gebäuden zu übernachten: "In der Nacht muss man aufpassen, dass man keine Menschen überfährt, die auf den Straßen schlafen. Ich sah jemanden mitten auf einer Kreuzung schlafen, aus Angst vor der Nähe zu Gebäuden im Falle eines Nachbebens."

Am Samstag konnten Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" im Stadtteil Carrefour chirurgische Eingriffe durchführen, "nur 24 Stunden nach Einrichtung des OPs", so Jeanson. Das Team stehe "unter großem Stress, weil die chirurgischen Kapazitäten hier sehr limitiert" seien. Jeanson weiter: "Ich sprach mit einem Chirurgen, der extrem frustriert und gestresst ist, weil er gestern fünf Patienten gesehen hatte, die sofort operiert werden müssten. Er kann aber ihre Leben nicht retten, weil es keinen richtigen OP-Saal gibt. Wir brauchen mehr Platz um Operationen durchführen zu können." Menschen würden an vermeidbaren Infektionen sterben.  (red, derStandard.at, 18. Jänner 2010)