MolekularbiologInnen gehen nahe Spitzbergen der Frage nach, wie wärmeliebende Bakterien in die kalte Arktis kamen.

Foto: Alexander Loy

Wien - Schon länger ist bekannt, dass sich thermophile, also wärmeliebende, Bakterien auch in eiskalten Meeressedimenten ansiedeln; teilweise sogar in ungewöhnlich großen Mengen. Sie fahren lediglich ihren Stoffwechsel herunter und überdauern in Form von Sporen. So konnten in arktischen Meeressedimenten Hunderttausende solcher Sporen pro Gramm Sedimentmaterial gezählt werden. Wirklich wohl fühlen sich die sulfatreduzierenden Mikroben in Abwesenheit von Sauerstoff und bei Temperaturen um 50 Grad. Bei solchen Bedingungen werden sie aktiv.

Um die Herkunft der Mikroorganismen in der Arktis zu klären, haben Alexander Loy vom Department für Mikrobielle Ökologie der Uni und ein Team von internationalen Kollegen unter anderem genetische Vergleiche angestellt. "Die engsten Verwandten der thermophilen Bakterien aus der Arktis kommen aus Erdölvorkommen in der Nordsee", erklärte Loy in einer Aussendung des Wissenschaftsfonds FWF, der das Projekt finanziert.

Potenzielle Öl-Anzeiger

Einen weiteren Hinweis auf die Herkunft aus Ölvorkommen lieferte der Umstand, dass pro Jahr und Quadratmeter 100 Millionen Bakteriensporen abgelagert werden. "Offensichtlich muss dort eine so große Population existieren, dass eine kontinuierliche Versorgung möglich ist. Dafür kamen eigentlich nur Ölvorkommen und Ökosysteme der Erdkruste infrage, in denen hohe Temperaturen ideale Lebensbedingungen für hitzeliebende Bakterien bieten", so der Wissenschafter.

Sollten diese thermophilen Bakterien in arktischen Gewässern tatsächlich ihren Ursprung in unterseeischen Erdölquellen haben, dann würden die angewendeten Methoden auch einen Beitrag zur Ölexploration leisten können. Dieser Aspekt steht für Loy im Rahmen seines FWF-Projektes zwar nicht im Vordergrund, Mineralölunternehmen werden aber interessiert aufhorchen. (APA/red)