Bild nicht mehr verfügbar.

Die Landwirtschaft will sich künftig mehr beim Klimaschutz einbringen. Das geht nur mit weniger Tierhaltung, meinen Kritiker.

Foto: APA/dpa/Wolfgang Kumm

Steigende Weltbevölkerung, mehr Fleischkonsum und trotzdem Klimaschutz? Wie dies zusammengehen soll, wird auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin diskutiert.

***

Berlin/Wien - Die Kuh als Klimakiller - das hört man auf der Grünen Woche in Berlin gar nicht gerne. Doch ist allen Agrariern klar, dass mit einem ausufernden Fleischkonsum das sowieso wackelige Öko-Image der Landwirtschaft nicht aufrechterhalten bleiben kann.

Bis 2050 müssen 70 Prozent mehr Nahrungsmittel produziert werden, um die steigende Weltbevölkerung zu ernähren, so die Agrarminister bei ihrer Abschlusserklärung anlässlich eines Treffens in Berlin. Dies gehe natürlich nur mit wachsenden Treibhausgas-Emissionen, gaben sie in dem Papier zu. Um die Agrar-Emissionen dabei künftig halbwegs in Schach zu halten, müsse auf "technischen Fortschritt in Züchtung und Agrartechnik" gesetzt werden.

Kritiker bezweifeln, dass dies der einzige Weg ist, um Klimaschutz und steigende Nahrungsmittelproduktion in Einklang zu bringen. "Ohne eine Änderung beim Konsum wird es nicht gehen" , sagt Jurrien Westhof, Klimaexperte von Greenpeace. Ohnehin, so alle Studien, essen die Menschen (vor allem: die Männer) der reichen Welt zu viel Fleisch. Für den Klimaschutz, den Wasserhaushalt, die Bodenbeschaffenheit und nicht zuletzt das Tierleid wäre es desaströs, wenn mithilfe von dünger- und wasserintensiver Landwirtschaft die Rinderhaltung auf schlechteren Böden oder auf Massenhaltung ausgeweitet wird, erklärt Westhof. Trotzdem rechnet die Welternährungsorganisation FAO mit einer Zunahme der Fleischproduktion von derzeit 229 Millionen auf 465 Millionen Tonnen im Jahr 2050 und für die Milchproduktion von 580 Millionen auf 1043 Millionen Tonnen.

Die Landwirtschaft ist laut UN-Welternährungsorganisation für etwa 30 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich, davon die Viehhaltung mit knapp 20 Prozent. Vor allem der hohe Energie- und Chemikalieneinsatz gilt in der Landwirtschaft als Hauptverursacher von Treibhausgasen. Das Rind nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Der Wiederkäuer Kuh stößt Methan aus, ein Treibhausgas, das rund 25-mal wirksamer, also klimaschädigender, ist als Kohlendioxid (CO2). Zu dieser schlechten "Klimabilanz" der Kuh kommt außerdem, dass die Kuh fast zehn Kilo Futter verdrücken muss, um ein Kilo Fleisch aufzubauen. Wirksamer Klimaschutz, so das Fazit vieler Vegetarier deshalb, lautet: weniger Fleisch. Sehr zum Ärger der Klima- und Tierschützer ist ein (Teil-)Verzicht auf Fleisch nicht in der Erklärung der Agrarminister in Berlin eingeflossen.

In Österreich ist die landwirtschaftliche Klimabilanz dennoch positiv. Im Gegensatz zu anderen Sektoren wie Industrie oder Verkehr sind die Emissionen in diesem Bereich kontinuierlich zurückgegangen. Der agrarische Treibhausgasausstoß erreichte 2008, dem ersten Jahr mit Wirksamkeit des Kioto-Protokolls, in etwa die erlaubte Menge. Ausschlaggebend dafür war vor allem eine sparsamere Verwendung von künstlichem (Stickstoff-)Dünger. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.01.2010)