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UNODC-Chef Costa rief Präsident Hamid Karzai (Bild) auf, die UN-Konvention gegen Korruption zu ratifizieren

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Download: Der UNO-Bericht "Corruption in Afghanistan" (PDF, 4,15 MB)

Wien - Die bis in die Regierung grassierende Korruption bereitet den Afghanen einer UN-Studie zufolge mehr Sorgen als die Unsicherheit in ihrem Land. Es sei "unmöglich", in Afghanistan ohne Schmiergeld eine Dienstleistung von Behörden zu erhalten, erklärte der Chef des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), Antonio Maria Costa, am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts zur Korruption in Afghanistan. Bestechung ist für 59 Prozent der afghanischen Bevölkerung demnach eine größere Sorge als die unsichere Lage (54 Prozent) oder die Arbeitslosigkeit (52 Prozent). Korruption sei Teil des täglichen Lebens, urteilte die Studie.

Im Zeitraum der Umfrage unter 7.600 Menschen in zwölf Provinzhauptstädten und in mehr als 1.600 Dörfern habe jeder zweite Befragte mindestens einmal Schmiergeld zahlen müssen. In mehr als jedem zweiten Fall habe dies der Beamte "ausdrücklich" verlangt. Am bestechlichsten seien Polizisten und lokale Beamte, gefolgt von Richtern, Staatsanwälten und Regierungsmitgliedern. Eine Zahlung liege durchschnittlich bei 160 Dollar (111 Euro). Im vergangenen Jahr zahlten die Afghanen demnach hochgerechnet 2,5 Milliarden Dollar an Schmiergeldern. Das entspricht einem Viertel des Bruttoinlandsprodukts.

Die Bestechlichkeit der Behörden beeinträchtigt laut UNODC auch die Arbeit von internationalen Hilfsorganisationen. Dem Bericht zufolge glaubt jeder zweite Afghane, dass Nichtregierungsorganisationen oder internationale Verbände korrupt seien und sich nur in dem Land aufhielten, um Geld zu machen. Diese Wahrnehmung diskreditiere diejenigen, "die einem dringend hilfsbedürftigen Land helfen", heißt es in dem Bericht.

Die Korruption sei das "größte Hindernis" bei der Verbesserung der Sicherheitslage, erklärte UNODC-Chef Costa. Er rief Präsident Hamid Karzai deshalb auf, die UN-Konvention gegen Korruption zu ratifizieren. Nur so könne verhindert werden, dass "der Krebs Korruption weiter Metastasen streut". Karzai steht bereits unter Druck, weil die internationale Gemeinschaft von ihm fordert, die Korruption in seinem Land stärker zu bekämpfen. Das Thema soll auch bei der Afghanistan-Konferenz in London am 28. Jänner eine Rolle spielen. (APA/AFP)