Es ist noch nicht einmal drei Jahre her, dass der Europäische Forschungsrat (ERC, European Research Council) seine Arbeit aufnahm. Doch schon nach dieser kurzen Zeit lässt sich abschätzen, dass diese neue Förderagentur für exzellente Grundlagenforschung in Europa eine Erfolgsgeschichte werden dürfte. Die Scientific Community ist jedenfalls durchwegs angetan.

Mit dem ERC sollte insbesondere der Rückstand zu den USA verringert werden, wo nach wie vor die Top-Forschung weltweit zu Hause ist - und insbesondere jene Art "riskanter" Grundlagenforschung, die letztlich für die großen Innovationen sorgt.

Kernstück des ERC sind zwei Förderprogramme: Mit dem Starting Grant werden herausragende Nachwuchsforscher und ihre Projekte gefördert; mit dem Advanced Grant, dem Flaggschiffprogramm der EU, international renommierte Topforscher.

Vergleichbar ist der ERC Advanced Grant am ehesten mit dem Wittgenstein-Preis, der wichtigsten Auszeichnung (und zugleich Förderung) für Spitzenforscher in Österreich: Das "Preisgeld" meist weit jenseits einer Million Euro muss in mehrjährige Forschungsprojekte gesteckt werden. Im Unterschied zum Wittgenstein-Preis gibt es beim ERC kein oberes Alterslimit, was wohl auch der Grund ist, warum der Physiker Anton Zeilinger 2008 zwar einen ERC Advanced Grant, aber nie einen Wittgenstein-Preis gewann.

Bei der aktuellen zweiten Runde der Advanced Grants hatten knapp 1600 Forscher aus ganz Europa Anträge gestellt, darunter rund 40 aus Österreich. Waren es im Vorjahr acht, so waren diesmal sieben in Österreich tätige Wissenschafter erfolgreich: Neben der Philosophin Pauer-Studer erhalten noch der Evolutionsbiologe Nick Barton (IST Austria), der Zellbiologe Jürgen Knoblich (IMBA), die Medizin-Physikerin Monika Ritsch-Marte (Med-Uni Innsbruck), der Mathematiker Walter Schachermayer (Uni Wien), der Mikroelektroniker Siegfried Selberherr (TU Wien) sowie der Molekularbiologe Giulio Superti-Furga (CeMM) die begehrte Top-Förderung.

Österreich hat damit bisher bei den ERC Advanced Grants im internationalen Vergleich "sehr gut abgeschnitten", bestätigt die Wissenschaftsforscherin und ERC- Vizepräsidentin Helga Nowotny im Gespräch mit dem Standard. (Zum Vergleich: Deutschland kommt heuer auf gerade einmal 31 ERC Advanced Grants.)

Dass es freilich noch Steigerungsmöglichkeit gibt, belegt die benachbarte Schweiz: Dort warben in der zweiten Runde gleich 29 Spitzenforscher die lukrativen Förderungen ein. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 20.01.2010)