Für die Mumbling Melons (Laura Costan, Katharina Heindl, Antonia Reiter und Lily Zrost) ist das Café ein zentraler Treffpunkt. Auch Internet-Zugang wird geboten.

Foto: Andy Urban

Wien - Um Jugendkultur, das Jung- und Aufgewecktsein, Liebe, Auseinandersetzungen und um Rebellion geht es in dem deutschen Film Der Rote Kakadu aus dem Jahr 2004. Die Intellektuellenbar "Der Rote Kakadu" in der DDR ist dabei einer der bedeutendsten Handlungsschauplätze.

Bereits vor einigen Jahren wurde im Schülerparlament der Wunsch nach einem eigenen Raum in Form eines Jugendcafés geäußert. Nach einer Raumplananalyse des achten Bezirks wurde ermittelt, dass diese Idee durchaus Sinn macht. Der Bezirk schrieb daraufhin das Projekt aus, woraufhin sich der gemeinnützige Verein "Rettet das Kind" der Realisierung annahm. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde das Projekt schließlich verwirklicht.

Das Besondere am Roten Kakadu ist die Zugangsbeschränkung. Denn er definiert sich explizit als Raum für junge Menschen zwischen 14 und 20 Jahren - allen anderen bleibt der Zutritt verwehrt. Darüber hinaus will das Café aber mehr bieten: "Das, was es bei uns gibt, soll gesund sein, es soll günstig sein und natürlich auch das sein, was die Jugendlichen gerne haben" , erklärt Steffi Förster, Leiterin des Jugendcafés und diplomierte Sozialarbeiterin. Wie die 15-jährige Schülerin Renata Burket bestätigt, wird dieses Angebot auch genutzt. Sie besucht das Jugendcafé fast täglich. "Es ist wirklich gemütlich, auch um Freunde zu treffen ist es gut" , erzählt sie.

Milchshake selbstgemacht

Eine weitere Besonderheit ist, dass alle Produkte zum Selbstkostenpreis erstanden werden können. "Dadurch sehen die Jungen, was diese Lebensmittel im Einkauf kosten" , erklärt Förster den Grundgedanken. Außerdem sei es ein Anliegen dieser Art von soziokultureller Animation, die dem Roten Kakadu als Konzept zugrunde liegt, dass die Jugendlichen erkennen, "dass so ein Milchshake eigentlich aus Banane, Milch und ein bisschen Zucker besteht und nicht aus Farbstoffen und Geschmacksverstärkern" , meint sie weiter.

Die soziokulturelle Animation ist ein Teilbereich der Sozialarbeit und bezieht sich auf Aktivitäten und Initiativen, die die Motivation einzelner Jugendlicher und Gruppen fördert, ihr Alltagsleben in ihrem soziokulturellen Umfeld zu integrieren. Die vier Grundsäulen dabei sind Partizipation, Integration, Prävention und außerschulische Bildung.

Allerdings macht laut Burket besonders ein Punkt das Café für die jungen Besucher sympathisch: "Ein gewöhnliches Café ist für mich keine Option, weil ich mir das nicht leisten kann. Hier muss man ja nichts konsumieren."

Auch die 15-jährige Schülerin Antonia Reiter findet die Atmosphäre angenehm. "Erstens sind nur junge Leute da, und es herrscht wirklich eine entspannte Atmosphäre." Regelmäßig sitzt Reiter, die bereits mit ihrer Band Mumbling Melons im Jugendcafé aufgetreten ist, mit ihren Freunden bei Bagels zusammen und tauscht Neuigkeiten aus. Darüber hinaus bietet der Rote Kakadu für die Jugendlichen auch Aktivitäten im sozialen Bereich an - wenngleich oft einfach nur ein offenes Ohr vonnöten ist. "Wenn es Sorgen und Probleme gibt, stehen wir natürlich auch immer bereit" , betont Förster und streicht hervor, dass alle Personen des Teams auch Betreuungsfunktion übernehmen. Dabei sei es für sie wichtig, dass sich das Team und die Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. "Ich glaube, dass wir die Jungen zwar stark in dieser Lebensphase ‚Jugend‘ unterstützen können, doch sie sind auch selbst Experten dafür." Konkrete Angebote finden vor allem in Form von Workshops oder Veranstaltungen statt.

Über einen kurzen Zeitraum hinweg wurde der Rote Kakadu immer mittwochs nur für Mädchen geöffnet. Doch relativ bald habe man erkannt, dass das gar nicht notwendig sei. Die Gründe dafür sieht Förster vor allem im "Cafécharakter" . Auch dass sich viele Schulen im Umkreis befänden und das Team des Cafes zum Großteil aus Frauen bestünde, kann sie sich als Ursache für das große Interesse der Mädchen vorstellen. So beschreibt Reiter, die das nahegelegene Gymnasium in der Albertgasse besucht, den Ort einfach als "praktisch" .

Was sie derzeit "besonders spannend" findet: Es gebe sowohl vom sozialen als auch vom Bildungsstandpunkt aus betrachtet, vom Maturanten oder Studenten bis hin zum "mit der Sprache kämpfenden Jugendlichen, der erst schauen muss, dass er seinen Abschluss schafft" , alles. (Bath-Sahaw Baranow/DER STANDARD-Printausgabe, 20. Jänner 2010)