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Eduard Zehetner schildert den Aktionären den Staus quo und die dramatische Vergangenheit. Und er gibt ihnen die Hoffnung, dass es wieder aufwärtsgeht.

Foto: APA/Herbert Pfarrhofer

Wien - Die am Mittwoch beschlossene Fusion von Immofinanz und Immoeast "ist der Abschluss einer 14-monatigen Restrukturierungsphase", berichtete Gruppen-Chef Eduard Zehetner den weit über 700 Aktionären bei der außerordentlichen Hauptversammlung (HV) der Immofinanz. Die beiden Gesellschaften standen 2008 am Rande des Ruins, tausende Anleger haben ein Vermögen verloren. Die einstige (indirekte) Eigentümerin der Constantia Privatbank (CPB), die Industriellen-Tochter Christine Castelbajac, wurde von den früheren Managern der Immofinanz-Gruppe und der Constantia um ihr (Firmen-)Erbe gebracht.

Vergangenheitsbewältigung

Zehetner schilderte die dramatische Situation, in der sich die Immogruppe befand: Eine firmen intere Finanzierung über 1,8 Mrd. Euro drohte beide Unternehmen in den Ruin zu treiben, weil die Banken die Finanzierung verweigerten. Es gab Entwicklungsprojekte über 6,9 Mrd. Euro, für die es keine finanzielle Deckung gab. Die Constantia Privatbank (die von den Großbanken aufgefangen werden musste) hat den Zahlungsverkehr eingestellt; und der Rest der Bankenwelt habe alle Finanzierungszusagen für Projekte zurückgezogen. "Um das Überleben zu sichern, mussten wir bis Ende Mai 2009 aus Verkäufen 330 Mio. Euro lukrieren." Im November 2008, als Zehetner zur Gruppe kam, notierten die Aktien bei 0,30 Euro, derzeit liegen die Kurse von Immofinanz und Immoeast bei 2,58 bzw. 3,88 Euro. Zehetners Ziel ist ein Kurs in Höhe der aktuellen Bewertung von 5,09 Euro.

Rund ein Jahr nachdem Zehetner den Job antrat, wurde viel erreicht, ein juristisch wasserdichter Vergleich unter allen Beteiligten steht noch aus. Der Deal zwischen der niederländischen Constantia Packaging BV (Eigentümerin der CPB) und der Immofinanz-Gruppe steht zwar am Papier, aber er hängt an "Details". Zehetner will die verbleibende "Bad Bank" der CPB. In dieser befinden sich die Managementverträge, Immobilien und Forderungen. Hat Zehetner die Bank, könnte er im besten Fall einen Liquidationserlös von bis zu 100 Mio. Euro nach einigen Jahren erzielen, so seine Rechnung. Bloß die Eigentümer der Bad Bank, die fünf Systembanken, zieren sich. Castelbajac muss noch wie geplant ihren Verpackungskonzern, die Constantia Packaging AG, verkaufen. Allerdings, das Angebot des US-Investors OEP hängt an einem Generalvergleich mit allen anderen Beteiligten, unter anderem auch mit dem Investor Rudolf Fries und der Constantia BV.

Fries hat eine Putoption, wonach er bis April 2010 der Constantia BV seine Immoeast-Aktien um sieben Euro das Stück verkaufen kann. Der ausverhandelte Deal: Fries bekommt 108 Mio. Euro und behält die Aktien, die einmal 400 Mio. Euro wert waren. Bis 1. April läuft übrigens das Angebot an die Constantia Packaging Streubesitzaktionäre. Sie bekommen 38,67 Euro pro Aktie.

Trotz der verwirrenden Situation verspricht Zehetner den Aktionären im Geschäftsjahr 2009/2010 (ohne Ab- und Aufwertungen) ein "solides positives Ergebnis" der Gruppe. Das bereits fertig gestellte Einkaufszentrum in Moskau bringt zusätzliche Mieteinnahmen. Sollte sich die Wirtschaft wieder erholen, werden auch eingefrorene Projekte wieder aktiviert. Angepackt werden soll auch die Erweiterung eines großen Einkaufszentrums in Polen.

Einsparungen

Sollte auch die Immoeast-HV heute der Fusion zustimmen, wird mit jährlichen Einsparungen von fünf Mio. gerechnet. Doppelgleisigkeiten fallen weg, Kapitalmarktfinanzierungen werden erleichtert. Die Immoeast-Börsennotiz in Warschau wird aufgegeben. Im Zuge der Fusion durch Aktientausch im Verhältnis von zwei Immoeast zu drei Immofinanzaktien wird auch das Kapital um 598 Mio. Euro erhöht. Die Kosten der Fusion: zwei Mio. Euro.(Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.1.2010)