Baströckchen und Kokosnuss-BH: "South Pacific" charmiert an der Volksoper.

Foto: Dimo Dimov

Wien - Das Fazit gleich vorab: eine gelungene Produktion. Wundervoll, das Herz erwärmend und charmant.

Warum?

Erstens: Mit der konzertanten Aufführung des Erfolgsmusicals South Pacific (Rodgers und Hammerstein aus dem Jahre 1949) gelingt der Volksoper eine akustische Rückschau in eine Musicalzeit, in der sich gediegen gearbeiteter, von Hand gemachter, zauberhafter Klang wie aus einer philharmonischen Wundertüte über den Zuhörer ergoss. Die Harfe schiebt Sonderschichten; Musik im Smoking, das Volksopernorchester unter David Levi einnehmend.

Zweitens: Sandra Pires ist toll. Muss man so sagen. Die von ihr gegebene Krankenschwester Nellie Forbush ist von frisch geduschter, unkaputtbarer Gutgelauntheit, kann aber auch zack, zack auf große, glaubhafte Tragödie umswitchen, als wär's nichts.

Drittens: Ferruccio Furlanetto leiht dem von ihm dargestellten und Sandra Pires angehimmelten alternden Plantagenbesitzer Emile de Becque Grandezza, Gefühl und professionelle Pose, ohne dafür den Schmalztiegel zu bemühen.

Viertens: Marjana Lipovsek versammelt alles auf dieser Welt vorhandene Beben und Bauschen und Gurren und Rauschen in der Figur der Atoll-Altwarentandlerin Bloody Mary. Die diesbezüglich auch nicht zu verachtende US-Schauspielerin Bette Midler ist im Vergleich zur Lipovsek ein Bühnen-Schüchtie, ein Waserl, wie man sagt.
Fünftens: Alle drei singen - auf unterschiedliche Weise - berührend.

Sechstens: Kultur-Conferencier und Volksoper-Dramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz spielt ziemlich gut einen ziemlich zwielichtigen Unternehmer namens Luther Billis, sein Part schließt einen Auftritt mit Baströckchen und Kokosnuss-BH mit ein. Muss man gesehen haben.

Siebtens: Sophia Gorgi als Bloody-Mary-Tochter Liat ist Volksopers next Topmodel. Einziges Manko: Die Dialoge hätte man ins Deutsche übersetzen sollen. Have a look at it! (Stefan Ender, DER STANDARD/Printausgabe, 19.01.2010)