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Der Machtkampf um den Aufsichtsrat bei Infineon setzt sich fort.

Foto: AP/Christof Stache

München - Die Aktionärsrevolte bei Infineon gegen den designierten Aufsichtsratschef Klaus Wucherer weitet sich aus. Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, erwägt, die Gegner des ehemaligen Siemens-Vorstands zu unterstützen. Man habe durchaus Sympathie für den Gegenantrag, sagte DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt der "Süddeutsche Zeitung" und der "Financial Times Deutschland". "Das sollte ein Neutraler machen, der von außen kommt." Wucherer habe die Fehler der Vergangenheit mitzuverantworten. "Es ist gut, alte Zöpfe abzuschneiden."

Die Fondsgesellschaft sage grundsätzlich nicht vorher, wie sie abstimmen werde, sagte ein Sprecher.

Initiator der Revolte gegen den designierten Aufsichtsratschef Wucherer ist der britische Pensionsfonds Hermes. Dieser will den Finanzvorstand des Automobilzulieferers ZF-Friedrichshafen, Willi Berchtold, auf der Hauptversammlung am 11. Februar als Gegenkandidaten zu Wucherer vorschlagen. Verbunden damit war scharfe Kritik am Wirken des alten Aufsichtsrats. Infineon äußerte sich am Mittwoch nicht näher zu den Vorgängen.

"Kompletter Neuanfang"

Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will keinen der beiden Kandidaten. "Uns wäre ein Mann lieber, der einen kompletten Neuanfang darstellt", sagte sie der DAPD. Bei Berchtold äußerte sie die Befürchtung, "dass die Unabhängigkeit nicht gegeben ist", da er im Aufsichtsrat eines Kunden sitze.

Bergdolt forderte die am Machtkampf Beteiligten auf, sich an einen Tisch zu setzen. "Infineon ist jetzt an einem Punkt, wo es anfängt, besser zu laufen. Da sollte sich auf keinen Fall die Kapitalseite zerfleischen." Die Lösung besteht für sie in einer dritten Person: "Da muss jemand anderes her", forderte die Aktionärsschützerin. Denn, egal wer den Machtkampf gewinne, er werde auf jeden Fall zumindest Kratzer davontragen.

Positiver sieht Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) die Situation. Grundsätzlich sei es gut, wenn Aktionäre die Wahl hätten. Wie die SdK sich entscheiden werde, sei noch offen, sagte er. Beide Kandidaten seien für die Aufgabe sehr gut qualifiziert. "Die Tendenz geht aber in Richtung von Herrn Wucherer." (APA/apn)