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China ist Österreichs größter Wirtschaftspartner in Asien mit mindestens 6,8 Milliarden Euro Handelsumsatz 2008. Heinz Fischer, (2.von re.), plaudert mit Präsident Hu Jintao (gegenüber)

Foto: AP/Thian

Peking - In der Großen Halle des Volkes sprach Chinas Staatschef Hu Jintao den österreichischem Bundespräsidenten Heinz Fischer schon im Begrüßungssatz als "alten Freund Chinas" an, ein informeller Ehrentitel, den Peking Staatsgästen verleiht, wenn sie mindestens drei Mal das Land besucht haben. Hu hob hervor, dass es dennoch eine Premiere sei, denn er komme zu ihnen erstmals als Präsident. "Fischer ist wirklich ein guter Freund" , sagte auch der 86-jährige Wang Shu dem Standard. Der Doyen der chinesischen Diplomaten kennt Fischer noch aus Wien als Wissenschaftsminister (1983-1987).

Solch alte gute Bekannte sind den Chinesen besonders willkommen, wenn sie zudem noch als Türöffner für die Wirtschaft kommen - ein Anliegen, unter das Fischer den ersten Chinabesuch eines österreichischen Staatsoberhaupts seit neun Jahren stellt.

Fischer eröffnete am Mittwoch im China-World-Hotel das österreichisch-chinesische Wirtschaftsforum, bevor er mit allen militärischen Ehren von Präsident Hu Jintao empfangen wurde. Fischer sprach mit ihm über ein Investitionsschutzabkommen und ein Luftverkehrsabkommen. Gleichzeitig erhielt er die Zusage, dass eine chinesische Einkaufsmission nach Österreich kommen wird. Wirtschaftliches Engagement stehe aber nicht im Gegensatz zum Engagement für Menschenrechte, meinte Österreichs Bundespräsident, der sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzte.

China ist Österreichs größter Wirtschaftspartner in Asien mit mindestens 6,8 Milliarden Euro Handelsumsatz 2008 (in den ersten drei Quartalen 2009 waren es 4,8 Mrd.). Unter den wichtigsten 25 Exportmärkten Österreichs war China der einzige, der Zuwächse brachte und zwar um fünf Prozent. "In der Dynamik hier liegen enorme Chancen" , sagte Fischer.

Es ist die Hoffnung auf Chinas enorme Nachfrage, die die Präsidenten-Delegation auf 200 Begleiter anschwellen ließ, darunter 120 Wirtschaftsvertreter. Der Zeitpunkt des Besuchs der Österreich-Delegation hätte kaum besser gewählt sein können. Heute, Donnerstag, werden den Österreichern die rekordverdächtigen Wirtschaftszahlen Chinas präsentiert. Experten gehen von einem Wachstum für das vierte Quartal 2009 zwischen neun und elf Prozent aus.

Analysten warnen jedoch vor überzogenen Erwartungen: Die hohen Wachstumsraten verdanke China vor allem den Treibmitteln Staatsinvestitionen und der Kreditflut durch die Staatsbanken, die in Infrastruktur gehen. Goldman-Sachs-Chefanalyst Song Yu etwa warnte vor einem zu rasanten Übergang: Ging Anfang des Jahres noch die Angst vor Konjunktureinbruch und Massenarbeitslosigkeit um, fürchtet man jetzt Überhitzung und Inflation.

Über die Gründe sind sich die Experten einig, vom unterbewerteten chinesischen Yuan, der sich - an den Dollar gebunden - so schnell abwertet, dass Chinas Exporte wieder steigen, bis zur Kredit- und Geldschwemme. 90 Prozent des Wachstums Chinas im Vorjahr seien von staatlichen Investitions- und Bankkrediten getrieben, was zu Überkapazitäten führe, warnte Jörg Wuttke, EU-Kammerpräsident in Peking. Er beklagt die schwieriger werdenden Zugangsbedingungen zum chinesischen Markt.

Christine Marek, Familienstaatssekretärin im Wirtschaftsministerium, wünscht sich im Reich der Mitte mehr Transparenz, Rechtssicherheit und besseren Schutz des geistigen Eigentums. Und: Mehr Investoren: "Unsere 370 Firmen haben in China 700 Millionen Euro investiert." Jetzt sollten auch Chinas Firmen in Österreich investieren. (Johnny Erling, Peking, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.01.2010)