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Nick Cave, Debbie Harry, Mark Lanegan und andere würdigen Jeffrey Lee Pierce

Foto: AP/APA/Fischer

WE ARE ONLY RIDERS
The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project - Various Artists
(Glitterhouse/Hoanzl)
Nick Cave, Mark Lanegan, Debbie Harry, Lydia Lunch, Mick Harvey, Isobel Campbell, The Raveonettes, David Eugene Edwards, Dave Alvin ... - wenn jemand all diese Namen für ein Projekt gewinnen kann, muss es etwas Besonderes sein. Ist es auch! Wir Missionare der Kirche The Gun Club sind froh, melden zu können, dass diese und andere Musiker auf "We Are Only Riders" Jeffrey Lee Pierce würdigen, den 1996 verstorbenen Vorstand des Gun Club, einer Band, die Jack White zu den wichtigsten Einflüssen der White Stripes zählt. Auf dieser CD wird teilweise Material interpretiert, das Pierce-Mitstreiter Cypress Groove in einem alten Karton fand. Die Resultate sind allesamt würdevolle Annäherungen im Einzugsgebiet von Blues-Punk, Country und Balladentum. Der charmante Höhepunkt ist Debbie Harrys Cover von Lucky Jim, Mick Harvey ist ebenso grandios wie Edwards, Cave und Lanegan gewohnt souverän.

OK GO
Of The Blue Colour Of The Sky
(EMI)
Die Band aus Chicago verschiebt auf ihrem dritten Album elektronische Sounds in einen Glam-Rock, der sich in einem scheinbar gewichtslosen Falsettgesang ebenso manifestiert wie in Melodien, die wie große Gesten in Musicals funktionieren. Das ergibt üppige Stücke, denen Sänger Damian Kulash die notwendige Beweglichkeit verleiht. Unter all den Soundschichten schimmert zudem immer auch das Talent der Band durch, exzellente Popsongs zu schreiben. Wer die Flaming Lips mag, sollte mit OK Go eigentlich auch glücklich werden.

ADAM GREEN
Minor Love
(Rough Trade/Edel)
Adam Green, ein Mängelexemplar, das in den programmatischen Nullerjahren aufgrund inszenierter Ungefährlichkeit und dank Sarah Kuttner bei jungen Frauen und Männern reüssierte, die Sex eher aus Erzählungen als aus eigenem Erleben kennen, veröffentlicht mit "Minor Love" neue Tagebuchaufzeichnungen auf Billig-Folk-Basis. Greens Schmäh in seinen Miniaturen wirkt so spritzig und frisch wie ein gebrauchter Kaugummi. Dagegen ist die schlechteste Platte von Jonathan Richman noch Pet Sounds! Am 22. Februar gastiert Green als abschreckendes Beispiel in der Wiener Arena. Eins zu null für Youporn!

LAURA VEIRS
July Flame
(Bella Union / Universal)
Im Fach der gehobenen Langeweile ist die US-amerikanische Songwriterin Laura Veirs eine große Nummer. Die Dame, die mit ihrer Brille so aussieht, wie man sich Charlotte Simmons von Tom Wolfe vorstellt, wird in Independent-Music-Kreisen dennoch hoch geschätzt. Immerhin lässt sich zu ihren Songs verträumt aus dem Fenster schauen, gelten diese als einfühlsam und atmosphärereich. Das gilt durchgängig auch für die 13 Songs auf "July Flame", ihrem siebten Album. Das Fenster sollte aber geschlossen sein. Nicht dass man rausfällt, wenn man einschläft.

BLIND IDIOT GODS
Animalation
(Monkey/Hoanzl)
Dieses heimische Duo, bestehend aus Martin Philadelphy und Stephan Sperlich, produziert launigen Pop, der stellenweise nach der britischen Band Elbow klingt, andernorts wirkt, als hätte es Tricky schwer bekifft zu einem Gesangsbeitrag überredet, während ein Stück - Skills - wie ein bereinigter elektronischer Blues klingt, der Tom Waits dann doch ein wenig zu gerade montiert worden war. Für manchen Geschmack mögen Blind Idiot Gods zu viel auf einmal versuchen, wer aber ein abwechslungsreiches und durchaus verwegenes Album sucht, wird von "Animalation" bestens bedient. Übrigens: Auf Myspace hat die Band, die man nicht mit der sehr ähnlich benannten 1980er-Jahre-US-Formation Blind Idiot God verwechseln darf, zu diesem Zeitpunkt gezählte sieben Freunde. Was uns das sagen soll? Man weiß es nicht. Das Internet ist eh überbewertet. Jedenfalls hat man es hier nicht mit dem neuesten Myspace-Hype zu tun, so viel ist sicher. (flu / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2010)