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Hamid Karsai will gemäßigte Taliban und Aufständische wieder ins zivile Leben einbinden.

Foto: Reuters/Michael Kooren

Washington - Der afghanische Präsident Hamid Karsai will gemäßigte Taliban und Aufständische wieder ins zivile Leben einbinden. Ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden, Arbeit zu finden und in ihre Heimatdörfer zurückzukehren, sagte er am Freitag dem britischen Radiosender BBC. Dafür wolle er Gelder aus den Fonds der internationalen Gemeinschaft verwenden. "Die Afghanen brauchen Frieden, egal was er kostet", sagte Karsai. Radikalen Unterstützern der Taliban, die Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida oder anderer terroristischer Gruppen sind, sollten solche Angebote aber nicht gemacht werden.

Karsai kündigte an, dass die internationale Gemeinschaft auf der Afghanistan-Konferenz in London in der nächsten Woche seinen Plan und die Finanzierung billigen werde. Die Taliban zahlten ihren freiwilligen Anhängern mehr Geld, als es es die afghanische Regierung für ihre Angestellten tut.

US-Außenministerin Hillary Clinton hat am Donnerstag  die Grundzüge der künftigen zivilen US-Strategie für die Stabilisierung von Afghanistan und Pakistan vorgestellt. "Während unsere militärische Mission in Afghanistan ein Ende haben wird, haben wir uns dennoch verpflichtet, langanhaltende Partnerschaften mit Afghanistan und Pakistan eingehen", sagte sie in Washington. Zu einer zivilen Strategie gehört laut Clinton unter anderem die Unterstützung des afghanischen Landwirtschaftssektors und die Reintegration von Extremisten in die Gesellschaft.

Holbrooke beurteilt Regierung in Kabul optimistisch

Die zivile Strategie wurde vom Büro des US-Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, ausgearbeitet. US-Präsident Barack Obama hatte Anfang Dezember die neue militärische US-Strategie vorgestellt. Es sollen 30.000 zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan geschickt werden.

Eine Woche vor der Afghanistan-Konferenz in London hat sich der US-Sonderbeauftragte für das Land, Richard Holbrooke, optimistisch über die Regierung in Kabul geäußert. Seit dem Antritt der Regierung von US-Präsident Barack Obama vor einem Jahr sei die politische Lage noch nie so gut gewesen, sagte Holbrooke am Donnerstag von einem Senatsausschuss. Karsai konzentriere sich nunmehr auf die Zukunft seines Landes, lobte er.

Miliband: Nächste 12 bis 18 Monate sind "entscheidende Periode"

Der britische Außenminister David Miliband betonte unterdessen bei derselben Anhörung im Kongress, dass die nächsten 12 bis 18 Monate mit Blick auf die Stabilisierung Afghanistans zu einer "entscheidenden Periode" würden. Er erwarte, dass eine Reihe von Ländern auf der Londoner Konferenz neue Zusagen machen. Zugleich unterstützte er Forderungen, nach denen die Europäische Union ihre Rolle in Afghanistan stärken müsse. Die EU müsse sicherstellen, "dass ihre entwicklungspolitischen Bemühungen auch dem Bedarf entsprechen".

Die US-Regierung veröffentlichte am Donnerstag ihre Strategie für die Zivilhilfe für Afghanistan und Pakistan. Darin geht es unter anderem um die Schaffung von Jobs, den Aufbau von Institutionen und die Wiedereingliederung von früheren Taliban-Kämpfern.

Die von der deutschen Bundesregierung mitinitiierte Afghanistan-Konferenz am 28. Jänner in der britischen Hauptstadt, an der mehr als 60 Länder teilnehmen werden, soll die künftige Strategie für das vom Krieg erschütterte Land voranbringen.

Merkel und Sarkozy stimmten sich für Afghanistan-Konferenz ab

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich am Donnerstag für die Afghanistan-Konferenz abgestimmt. Außerdem sei es bei dem Telefonat um die Vorbereitung des deutsch-französischen Ministerrats am 4. Februar gegangen, teilte die französische Präsidentschaft in Paris mit.

Am Tag vor Beginn der Konferenz wird Merkel im Berliner Bundestag eine Regierungserklärung zu dem Thema abgeben, selbst aber nicht an der Konferenz teilnehmen. In London will die Staatengemeinschaft über eine neue Strategie für Afghanistan beraten, wo sich die Sicherheitslage dramatisch verschlechtert hat. (APA/red)